„Die Q-Line steht für eine neue Interpretation von Luxus auf großen Yachten. Sie bietet Raum und Freiheit, ohne dafür auf extreme Länge, großen Tiefgang oder einen hohen Energiebedarf angewiesen zu sein. Antonio Luxardo hat etwas wirklich Besonderes geschaffen. Das Design besitzt eine unverkennbar italienische Sinnlichkeit: elegante Proportionen, weiche Linien und eine subtile emotionale Ausstrahlung. Hinter dieser Ästhetik steckt jedoch ein hohes Maß an Innovation. Das Konzept ist luxuriös und emotional, zugleich aber frisch, intelligent und eindeutig neu.“
So beschreibt Olaf Steckstor, Director Sales & Development bei Ultimate Catamarans, die neue Katamaran-Baureihe, die auf der Monaco Yacht Show vorgestellt wurde. Ultimate Catamarans ist keine Werft, sondern das Unternehmen, das für die Entwicklung des Projekts und die Koordination der unterschiedlichen Fachkompetenzen verantwortlich ist. Designer, Ingenieure, Systemspezialisten und Schiffbauer werden dafür in einem gemeinsamen Team zusammengeführt. Im Mittelpunkt dieses Organisationsmodells steht die Qualität: Hoch spezialisierte Kompetenzen werden gebündelt und bereits in den frühesten Projektphasen miteinander verzahnt – vom Design und Engineering über die Technologie bis hin zu Sicherheit und Komfort. Derselbe Qualitätsanspruch bestimmt auch die Wahl des Produktionspartners. Mit dem Bau der Yachten wurde ISKRA Shipyard in Šibenik, Kroatien, beauftragt, eine von Ultimate Catamarans aufgrund ihrer Qualitätsstandards und ihrer Erfahrung im Aluminiumbau ausgewählte Werft. ISKRA entwickelt und baut neue Schiffe und Yachten mit einer Länge von bis zu 60 Metern, darunter Aluminiumkatamarane und Passagierfähren.
Der Q140 ist das erste Projekt der neuen Linie und basiert auf einem Perspektivwechsel: Nicht die Frage, wie lang eine Superyacht sein muss, steht im Mittelpunkt, sondern wie sich die verfügbare Fläche bestmöglich nutzen lässt. Der 42 Meter lange Q140 bildet den Ausgangspunkt der Q-Line, zu der außerdem der 32 Meter lange Q110, der 52 Meter lange Q170 und der 62 Meter lange Q200 gehören. Die neue Familie interpretiert Yachtarchitektur mit einer Formensprache, die stärker von zeitgenössischem Design geprägt ist als von der klassischen Ästhetik großer Katamarane.
Für die gestalterische Identität der gesamten Linie zeichnet der italienische Yacht Designer Antonio Luxardo verantwortlich. „Das Projekt entstand beinahe aus einer spontanen grafischen Geste: einer ersten, schnell angefertigten Skizze, ohne eine lange Phase formaler Studien, nachdem mich Ultimate Catamarans gebeten hatte, eine mögliche gestalterische Richtung zu entwickeln“, erklärt Luxardo. Aus dieser Zeichnung entstand die Idee, sich von der üblichen Formensprache großer Katamarane zu lösen, die häufig durch geradlinige Volumen und optisch massive Aufbauten geprägt ist.
Luxardo setzt stattdessen auf Kurven. Nicht als reines Stilmittel, sondern als gestalterisches Werkzeug, um die Proportionen auszubalancieren und die zwangsläufig große Breite der Plattform optisch leichter wirken zu lassen. Die Flächen fallen vom Bug zum Heck hin ab und verjüngen sich nach oben, wodurch eine schlankere Silhouette entsteht. Besonders aus der Dreiviertelperspektive zeigt sich die Eigenständigkeit des Entwurfs: Die große Breite des Katamarans wird nicht als optische Einschränkung wahrgenommen, sondern bewusst als architektonisches Element eingesetzt.
„Der hohe Bug gehört zu den markantesten Merkmalen des Entwurfs“, erläutert Luxardo. „Er erfüllt zunächst eine konkrete nautische Funktion, indem er bei anspruchsvollen Seebedingungen zusätzlichen Schutz bietet. Gleichzeitig bildet er den Ausgangspunkt der äußeren Linienführung. Von dort zieht sich die Fläche bis zum Heck und wird von einem horizontalen Element unterbrochen, das das große seitliche Fensterband durchquert.“ Die weitläufige, nahezu durchgehende Verglasung dient dabei nicht allein einer besseren Aussicht. Sie wird selbst zum Gestaltungselement und lässt die Grenze zwischen Innenraum und umgebender Landschaft optisch verschwimmen. Für eine weitreichende Individualisierung kann auch die Farbgebung der Außenhaut unterschiedlich gestaltet werden.
Gerade diese enge Verbindung zwischen Innen- und Außenraum gehört zu den interessantesten Aspekten von Luxardos Konzept. Die außergewöhnliche Breite der Plattform ermöglicht es, die Innenbereiche nicht lediglich als Räume mit Meerblick zu gestalten, sondern als Bereiche, die sich unmittelbar zur maritimen Umgebung öffnen. „Beim Q140 entfallen 457 Quadratmeter auf die Innenbereiche für die Gäste und weitere 464 Quadratmeter auf die Außenflächen. Das entspricht in etwa dem Raumangebot vieler 60 bis 65 Meter langer Monohull-Superyachten, konzentriert sich hier jedoch auf eine Gesamtlänge von nur 42 Metern“, erläutert Luxardo.
Daraus ergibt sich ein anderes Verständnis von Luxus, das weniger durch den aufwendigen Einsatz von Materialien als vielmehr durch räumliche Freiheit definiert wird. Großzügig dimensionierte Suiten, Innenraumhöhen von mindestens 2,20 Metern, weitläufige Gesellschaftsbereiche sowie eine klare Trennung der Bereiche für Eigner, Gäste und Crew prägen das Konzept. Layout und Interior Design lassen sich zudem individuell auf die Anforderungen des jeweiligen Eigners abstimmen. Dabei kann die außergewöhnlich große Fläche des Main Decks genutzt werden, dessen Dimensionen weit über das hinausgehen, was bei einer Yacht dieser Länge üblicherweise zur Verfügung steht.
Die großzügigen Platzverhältnisse prägen auch die Gestaltung der Innenräume. Luxardo arbeitet mit kreisförmigen und ovalen Geometrien und verzichtet bewusst auf die Starrheit rechter Winkel. Beim Q200, dem größten Modell der Baureihe, wird die Natur selbst Bestandteil der Architektur: offene Treppenbereiche mit integrierter Bepflanzung und große zylindrische Glasduschen, die von Pflanzen umgeben sind, verleihen einzelnen Bereichen den Charakter kleiner Innenlandschaften. Selbst die Sonnenbereiche lösen sich vom klassischen Konzept der Sunpads: Grasflächen und Palmen sollen hier das Gefühl vermitteln, sich auf einer Insel zu befinden. Der biophile Gestaltungsansatz verleiht den Innen- und Außenbereichen damit eine beinahe landschaftsarchitektonische Dimension.
Die optische Leichtigkeit soll jedoch keineswegs auf Kosten der strukturellen Robustheit gehen. Der hohe Bug, die Aluminiumkonstruktion und die eng gesetzten Spanten sind auf einen tatsächlichen Hochseeeinsatz ausgelegt. Auch der vergleichsweise geringe Tiefgang verändert die Möglichkeiten im Küstenbereich und erlaubt es, sofern die örtlichen Bedingungen und Vorschriften dies zulassen, flachere Ankerplätze anzulaufen.
Die Entwicklungsarbeit beschränkt sich allerdings nicht auf das Design, sondern erstreckt sich auch auf die Energieeffizienz. Nach Angaben von Ultimate Catamarans kann der Q140 bei einer Geschwindigkeit von rund 12 Knoten bis zu 70 Prozent weniger Antriebsenergie benötigen als ein Monohull mit vergleichbarem nutzbarem Raumangebot und Einsatzprofil. Auch aus gestalterischer Sicht ist dieser Ansatz bemerkenswert: Effizienz wird dem Konzept nicht nachträglich hinzugefügt, sondern ergibt sich unmittelbar aus der Architektur und der Rumpfkonfiguration.
Das serienmäßige Advanced Hybrid Propulsion System kombiniert dieselelektrische Energieerzeugung, Batteriespeicher und ein intelligentes Energiemanagement. Vor Anker können die Generatoren, sofern die Bedingungen dies erlauben, abgeschaltet werden und die Bordsysteme über die Batterien versorgt werden. Der unmittelbar wahrnehmbare Vorteil liegt damit nicht nur in einem geringeren Energieverbrauch, sondern auch in einem veränderten Komforterlebnis: weniger Geräusche, geringere Vibrationen und keine Abgasgerüche. Das optional erhältliche TRI-HYBRID™-System führt diesen Ansatz durch die Integration von Brennstoffzellentechnologie noch einen Schritt weiter.
Der Q140 wird damit zu einem Entwurf, der unterschiedliche Anforderungen miteinander verbindet: großzügiges Raumangebot und vergleichsweise kompakte Abmessungen, skulpturale Formen und Funktionalität, Technologie und Natur. Die Form versucht dabei nicht, die Technik zu verbergen, sondern entwickelt sich aus dem Anspruch, technische Anforderungen gestalterisch neu zu interpretieren. Möglicherweise liegt genau darin die eigentliche Innovation der Q-Line: Die außergewöhnliche Breite des Katamarans wird nicht lediglich als konstruktive Gegebenheit betrachtet, sondern als Ausgangspunkt für eine neue Form der Yachtgestaltung.
„Mit der Q-Line präsentieren wir nicht einfach einen weiteren großen Katamaran. Wir schlagen eine andere Art vor, Luxus auf See zu verstehen“, erklärt Olaf Steckstor. „Mehr tatsächlich nutzbarer Raum, größere Privatsphäre, mehr Freiheit bei der Gestaltung der einzelnen Bereiche und ein deutlich geringerer Energiebedarf lassen sich mit einem emotionalen und anspruchsvollen Design verbinden. Ich glaube, dass gerade diese Kombination von den Eignern besonders geschätzt werden wird, sobald sie die Möglichkeit haben, die Q-Line im Detail kennenzulernen.“
Désirée Sormani