Mit der Solaris Power 70 Long Range eröffnet die Werft auf der Düsseldorfer Bootsmesse eine neue Phase ihrer Motoryacht-Produktion und tritt entschlossen in das 70-Fuß-Segment ein. Das Projekt entstand aus dem Anspruch, Langzeitkomfort, großzügige Volumen und eine wiedererkennbare Formensprache zu verbinden, ohne auf den sportlichen und seetüchtigen Charakter zu verzichten, der die Marke Solaris auszeichnet. Darüber sprechen wir mit Michele Dragoni, der mit seinem Dragoni Design Lab die Solaris Power 70 Long Range entworfen hat und die gestalterischen Entscheidungen, das Gleichgewicht zwischen Form und Funktion sowie die Philosophie dieser neuen Plattform erläutert.
PressMare – Mit der Solaris Power 70 Long Range betritt die Werft klar das 70-Fuß-Segment. Was ist die Grundidee des Projekts und wie ist es im Markt positioniert?
Michele Dragoni – Die Solaris Power 70 Long Range wurde als Yacht konzipiert, die für längere Aufenthalte an Bord gedacht ist — nicht nur während der Fahrt, sondern auch vor Anker. „Long Range“ bedeutet hier nicht nur Reichweite, sondern vor allem Lebensqualität an Bord: Komfort, Raumangebot, Bewegungsfreiheit und Alltagstauglichkeit. Es ist eine Crossover-Yacht, die typische Flybridge-Elemente — Volumen, Geselligkeit, Außenbereiche — mit dem rationalen, seetüchtigen Ansatz einer Navetta verbindet und dennoch einen sportlichen Charakter behält.
Ein prägendes Merkmal ist die Garage für ein Beiboot bis zu 4,2 Metern Länge — eine in dieser Größenklasse seltene Lösung — wodurch das Heck vollständig frei bleibt und die Außenbereiche aufgeräumter und funktionaler nutzbar sind. Ziel war es, in ein sehr wettbewerbsintensives Segment mit einem glaubwürdigen, kompromisslosen Konzept einzutreten, das sowohl Solaris-Kunden als auch Eigner anderer Marken anspricht.
PM – Das Außendesign ist sehr charakteristisch. Welche stilistischen Entscheidungen waren maßgeblich und wie wurde das Gleichgewicht zwischen Form und Volumen erreicht?
MD – Ausgangspunkt war die DNA der Werft, bekannt für kraftvolle, seetüchtige Boote. Ich habe mit einer ausgeprägten Rumpfform gearbeitet, mit stark betontem Bugflare und sehr breitem Heck, um maximale Wohnlichkeit und eine wirklich nutzbare Badeplattform zu gewährleisten. Die Formensprache erinnert an den modernen Lobster-Stil, übertragen auf ein großes Volumen.
Das Gleichgewicht zwischen Design und Volumen war ein zentrales Thema. In diesem Marktsegment kann man heute nicht zugunsten der Ästhetik auf Inhalte verzichten — zu wenig Volumen macht eine Yacht nicht wettbewerbsfähig. Zu viel Volumen wiederum lässt sie schnell wie eine Kiste wirken. Die Herausforderung bestand darin, großzügige Räume mit klaren Flächen, gespannten Linien und einer athletischen Anmutung zu verbinden. Auch die Verglasung wurde entsprechend dimensioniert: für Licht und Offenheit, ohne den Charakter zu verfälschen.
PM – Außen- und Innenbereiche wirken stark auf das Leben an Bord ausgerichtet. Was sind die Schlüsselelemente des Layouts?
MD – Das Cockpit ist für diese Klasse bewusst sehr lang ausgelegt. Die zurückversetzte Position der Sofas und die genaue Lage der Salon-Schiebetür ermöglichen zwei gegenüberliegende Sitzgruppen, einen komfortablen Tisch und breite Durchgänge, ohne das Innenvolumen zu beeinträchtigen. Die absenkbare Badeplattform arbeitet zusammen mit der Garage: Das Beiboot wird nur bei vollständig abgesenkter Plattform ein- und ausgebracht — eine technische Lösung für Sicherheit und klare Linien. Die Innenräume folgen der Solaris-Philosophie mit vielen Individualisierungsmöglichkeiten. In dieser Einheit wurde zusammen mit Designer Antonio Repaci eine besonders große Pantry umgesetzt, grundsätzlich ist das Konzept jedoch flexibel. Der Salon ist ebenerdig ohne Stufen gestaltet, für Sichtkontinuität und einfache Bewegung.
Unter Deck befindet sich achtern die Eignerkabine mit großzügigen Abmessungen, klar vom Crewbereich getrennt. Die Gästekabinen bieten Stehhöhen, Durchgangsbreiten und Türmaße über dem Durchschnitt der 70-Fuß-Klasse. Die Flybridge ergänzt das Konzept mit großen Volumen, guten Stehhöhen und verschiedenen Konfigurationsmöglichkeiten bei gleichzeitig sportlicher, leichter Außenlinie.
PM – Abschließend: Was sind die wesentlichen Stärken der Solaris Power 70 Long Range und welche Eigner spricht sie an?
MD – Die größte Stärke ist das Verhältnis zwischen Design und Volumen. Es ist gelungen, viel Raum anzubieten, ohne die stilistische Identität der Marke zu verlieren. Es ist eine seetüchtige, funktionale Yacht, zugleich elegant und emotional.
Sie richtet sich an Solaris-Eigner, die in eine größere Klasse wechseln möchten, aber auch an Kunden anderer Marken. Gegenüber teureren Wettbewerbern gibt es keine funktionalen Abstriche, in manchen Bereichen liegen die Standards darüber. Die Solaris Power 70 Long Range ist eine neue Plattform für einen Markt, der heute Helligkeit, Komfort und Bauqualität verlangt, ohne Designkompromisse. Sie ist für längeres Leben an Bord konzipiert — das ist ihr zentraler Wert.
Filippo Ceragioli