Griechenland: neue Mehrwertsteuer-Richtlinie zur privaten Nutzung gewerblicher Yachten

24/03/2026 - 10:16 in Service by Press Mare

Mit der Veröffentlichung der Richtlinie E.2006 vom 18. Februar 2026 hat Griechenland einen bedeutenden und lange erwarteten Schritt hin zu mehr Klarheit bei der Mehrwertsteuerbehandlung der privaten Nutzung von als gewerblich registrierten Yachten unternommen. Über Jahre hinweg hat das Fehlen eines klaren Rahmens in diesem Bereich zu Unsicherheiten für Eigner, Kapitäne und Betreiber geführt.

Die neue Richtlinie verfolgt einen klaren und pragmatischen Ansatz: Die private Nutzung durch den Eigner von bemannten, als gewerblich registrierten Yachten wird nun als Personenbeförderungsdienst anerkannt und unterliegt dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz von 13 %.

Besonders relevant ist die Methode zur Bestimmung der Bemessungsgrundlage, die auf tatsächlichen Betriebskosten basiert und nicht auf theoretischen Schätzungen oder Marktparametern. Dazu zählen unter anderem Gehälter der Crew und damit verbundene Kosten (pro rata), Kraftstoffverbrauch, Hafenabgaben und entsprechende Gebühren sowie Proviant und Bordversorgung. Dieses Modell spiegelt die operative Realität des Yachtmanagements wider und bringt lang erwartete Elemente von Fairness, Transparenz und Planbarkeit.

Vom Zustand der Unsicherheit zu einer klar definierten Struktur: Das Fehlen von Leitlinien hatte zuvor zu unterschiedlichen Interpretationen im Markt geführt, von übermäßig vorsichtigen Ansätzen bis hin zu Praktiken mit potenziellen Compliance-Risiken. Mit dieser Richtlinie sendet Griechenland ein klares und positives Signal: Klarheit und Compliance können koexistieren, ohne die Attraktivität des Standorts zu beeinträchtigen.

In einem zunehmend wettbewerbsintensiven Mittelmeerraum, in dem steuerliche Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle bei der Wahl von Charterbasen spielen, positioniert sich Griechenland damit als eine Jurisdiktion, die praxisnahe und industrieorientierte Lösungen entwickelt. In einem Umfeld wachsender regulatorischer Komplexität in verschiedenen Ländern ist eine solche Klarheit nicht nur willkommen, sondern entscheidend für Stabilität und Vertrauen aller Beteiligten.

Alex von Stein, CEO, SOS Yachting

In diesem Zusammenhang wird die neue Richtlinie vom Markt als konkretes Signal für Offenheit und Modernisierung des griechischen Steuerrahmens im kommerziellen Yachting bewertet. „Diese Richtlinie stellt einen sehr positiven Schritt dar, da sie lang erwartete Klarheit schafft und einen praxisnahen operativen Rahmen bietet, der die tatsächlichen Dynamiken der Yachting-Operationen widerspiegelt. Sie stärkt die Position Griechenlands als attraktive und wettbewerbsfähige Charterdestination“, erklärt Alex von Stein, CEO von SOS Yachting.

Die Einführung eines klareren Rahmens macht es nun erforderlich, dass Eigner und Managementgesellschaften ihre Verfahren überprüfen. Es wird notwendig sein, die Struktur der privaten Nutzung neu zu bewerten, sicherzustellen, dass die Kostenallokation korrekt dokumentiert ist, und interne Prozesse an die neuen Vorgaben anzupassen. Eine rechtzeitige Vorbereitung wird entscheidend sein, um eine reibungslose und regelkonforme Chartersaison 2026 zu gewährleisten.

Über die technischen Aspekte hinaus stellt diese Richtlinie einen weiteren Schritt hin zu einer besseren Abstimmung zwischen Regulierungsbehörden und den Realitäten der Branche dar. Sollte Griechenland diesen Weg fortsetzen, wird es seine Position als eine der transparentesten und strukturiertesten Charterdestinationen im Mittelmeer weiter stärken.

 

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