Während des Panels „Redefining Luxury, Episode 2: From ambition to implementation - How Italian excellence is shaping the path toward responsible interiors“, organisiert von Smart Interiors Horizon auf der SEAQUIP Milano 2026, wurde eine klare Perspektive deutlich: Im Yachting ist Nachhaltigkeit vor allem eine Frage der Entscheidungen, noch vor der Technik.
Wir haben darüber mit Sebastiano Fanizza, Gründer von Elessargery, gesprochen, der eine direkte Einschätzung zu Verantwortung, Lieferkette und Marktdynamiken aus dem Panel gibt.
PressMare – Welche Rolle spielt der Eigner auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit?
Sebastiano Fanizza – Weniger, als man denkt, denn Nachhaltigkeit hängt in erster Linie von denen ab, die planen, auswählen und bauen. Sie muss nicht zwangsläufig beim Eigner beginnen.
Eine Yacht ist das Ergebnis einer komplexen Lieferkette aus Zulieferern, Designern und Subunternehmern. Die Werft fungiert als Generalunternehmer: Sie produziert nicht alles selbst, sondern entscheidet, wer es tut. Genau dort liegt die Verantwortung.
Man kann einen Lieferanten wählen, der ohne Standards arbeitet, oder einen, der Sicherheit, Menschen und Prozesse respektiert. Auch das ist Nachhaltigkeit.
PM – Ist der Wandel also eher strukturell als „wertorientiert“?
SF – Genau: Es geht nicht darum, den Kunden mit Nachhaltigkeit zu überzeugen, sondern besser zu planen.
Wenn ich UV-geschützte Verglasung einsetze, reduziere ich den Energieverbrauch der Klimaanlage. Das bedeutet mehr Komfort und geringere Betriebskosten. Nachhaltigkeit ist eine Folge, aber nicht unbedingt das erste Argument gegenüber dem Kunden.
Ich habe zum Beispiel ein Klimasystem verkauft, das auf einer 67-Meter-Yacht Einsparungen von über einer halben Million Euro Kraftstoff pro Jahr ermöglicht. Ich habe es nicht als nachhaltige Lösung präsentiert, sondern als effiziente.
Der Punkt ist: Die Erzählweise ändert sich je nach Gesprächspartner und dessen Interessen. Das Ergebnis bleibt jedoch gleich.
PM – Geht es also mehr um die Kommunikation als um die Umsetzung?
SF – Es geht um die Verantwortung derjenigen, die Lösungen anbieten. Der Vertrieb muss wissen, was er verkauft, entscheidet aber nicht, was produziert wird. Entscheidungen werden vorher getroffen, in der Planung und bei der Auswahl der Lieferkette.
Wenn dort richtig gearbeitet wird, verkauft der Vertrieb bereits ein Produkt, das Nachhaltigkeit integriert.
PM – Wo beginnt der Wandel innerhalb der Lieferkette?
SF – Bei der Nachfrage. Wenn der Markt nachhaltige Produkte verlangt, passt sich das Angebot sofort an.
Das haben wir in anderen Branchen gesehen, etwa im Automobilbereich: Wenn sich die Nachfrage ändert, verändert sich der Markt.
Wenn dagegen nur das Angebot gepusht wird, ohne reale Nachfrage, besteht das Risiko, dass diese Produkte nicht angenommen werden. Dann hören Unternehmen auf, darin zu investieren.
PM – Welche Rolle spielen Materialien und technische Entscheidungen?
SF – Sie sind zentral, müssen aber richtig bewertet werden. Ein Material kann nachhaltig sein, aber zuerst muss es qualitativ überzeugen: Es muss funktionieren, langlebig sein und einen konkreten Nutzen erfüllen.
Nachhaltigkeit ist eine Eigenschaft im Hintergrund. Der Kunde kauft ein Produkt, weil es attraktiv, leistungsfähig und geeignet ist – und entdeckt dann gegebenenfalls, dass es auch nachhaltig ist.
PM – Und Zertifizierungen? Welche Bedeutung haben sie heute?
SF – Noch nicht genug. Meiner Erfahrung nach schauen die meisten Projekte zuerst auf den Preis, dann auf die Ästhetik und erst danach auf Zertifizierungen.
Zudem gibt es viele unterschiedliche Zertifizierungen, die oft schwer einheitlich zu interpretieren sind. Diese Fragmentierung erleichtert die Entscheidungsfindung nicht.
Ein integriertes System wäre sinnvoll, eine Art Gesamtzertifizierung der Yacht, die Materialien, Prozesse und Lieferkette umfasst. Es gibt erste Ansätze, aber sie sind noch unvollständig.
PM – Sie haben auch über ESG als System gesprochen. Welche Rolle spielen soziale und Governance-Aspekte?
SF – Eine sehr große, auch wenn sie weniger thematisiert werden. Nachhaltigkeit auf die Umwelt zu reduzieren, ist ein Fehler. Ein Produkt ist nur dann wirklich nachhaltig, wenn auch die Lieferkette solide ist, klare Standards bestehen, Prozesse zuverlässig sind und Menschen korrekt behandelt werden.
Das „S“ steht für Arbeit: Kompetenzen, Sicherheit, Arbeitsbedingungen, Kontinuität und Qualität entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das „G“ betrifft die Art und Weise, wie ein Unternehmen Entscheidungen trifft, Partner auswählt, Prozesse kontrolliert und Verantwortung übernimmt.
Im Yachting ist das zentral, weil eine Yacht nicht von einem einzelnen Akteur entsteht, sondern aus einem komplexen Ökosystem hochspezialisierter Kompetenzen. Fehlen Ethik, organisatorische Stabilität und Verantwortung, leidet das Ergebnis, selbst wenn das Produkt äußerlich hervorragend erscheint.
Nachhaltigkeit im Yachting ist kein Thema, das eingeführt werden muss, sondern eines, das ganzheitlich gesteuert werden muss. Die Instrumente und Lösungen sind bereits vorhanden. Entscheidend ist die Fähigkeit, sie entlang der gesamten Lieferkette zu integrieren und Umwelt, Menschen und Governance zusammenzuführen. Ohne das Zusammenspiel von E, S und G bleibt Nachhaltigkeit unvollständig.