Ferretti, KKCG-Übernahmeangebot: Annahmen bei 30,76%, Ferrari-Anteil faktisch übertragen

08/04/2026 - 20:35 in Editorial by Press Mare

Das von KKCG Maritime gestartete Übernahmeangebot für die Ferretti Group nimmt an Dynamik zu: Zum 8. April wurden 16.035.119 Aktien angedient, entsprechend 30,76% der vom Angebot erfassten Aktien.

Diese Zahl muss jedoch im richtigen Kontext betrachtet werden: Das Angebot betrifft 15% des Ferretti-Grundkapitals, sodass die bisherigen Annahmen etwas mehr als 4,6% des gesamten Kapitals entsprechen.

Genau hier liegt der Schlüssel zur Interpretation: Das aktuelle Niveau der Annahmen spiegelt im Wesentlichen die Übertragung des von Piero Ferrari gehaltenen Anteils von 4,6% wider, der damit faktisch in das Angebot von KKCG Maritime eingeflossen ist.

Dies stellt einen wichtigen Schritt dar, da eine bereits bekannte Entscheidung nun operativ umgesetzt wurde: Ferrari hat seine gesamte Beteiligung über die Holding F Investments angedient.

Der Sprung gegenüber den zuvor gemeldeten 0,7% zeigt eine klare Beschleunigung in der Schlussphase des Angebots, erlaubt jedoch noch keine endgültigen Rückschlüsse auf dessen Ausgang. Die Frist endet am 13. April.

Auch die Anhebung des Angebotspreises von 3,50 auf 3,90 Euro je Aktie hat die Bewertung der Aktionäre beeinflusst. In diesem Zusammenhang bezeichnete Equita, eine Investmentbank und unabhängige Research-Gesellschaft, den neuen Preis als „attraktive wirtschaftliche Gelegenheit“, verwies jedoch gleichzeitig auf die Risiken des externen Umfelds.

Die Entscheidung von Ferrari steht im Einklang mit dem Charakter seiner Beteiligung, die stets überwiegend finanzieller Natur war. Sein Einstieg bei Ferretti geht auf April 2016 zurück, als er im Rahmen einer Kapitalerhöhung 13,2% der Anteile erwarb.

Der Ausstieg trägt nun zur Neuordnung der Aktionärsstruktur bei. KKCG Maritime, das ursprünglich 14,5% hielt, strebt an, sich der Schwelle von 30% zu nähern und damit seine Position vor der Hauptversammlung zu stärken.

Demgegenüber bleibt die Position des Mehrheitsaktionärs Weichai stabil, der weiterhin 39,25% hält und seinen Anteil zuletzt gezielt ausgebaut hat, um die Ambitionen von KKCG zu bremsen.

Karel Komárek, Jahrgang 1969, zählt zu den führenden Unternehmern Tschechiens, mit einem von Forbes geschätzten Vermögen von über 10 Milliarden US-Dollar. In den vergangenen Jahren hat er seine Aktivitäten im Yachtbereich ausgebaut und war Eigner von Pershing-, Riva- und Wally-Yachten sowie im Regattasport aktiv.

Chris Welch (links) und Karel Komárek, Mitbegründer des American Racing Challenger Team USA, dem Herausforderer des 38. America’s Cup

In diesem Zusammenhang ist auch die Gründung von American Racing Challenger Team USA hervorzuheben, dem offiziellen Herausforderer beim America’s Cup. Das von Komárek gemeinsam mit Chris Welch initiierte Projekt wird an der 38. Ausgabe teilnehmen, die 2027 im Golf von Neapel stattfindet, und markiert die Rückkehr eines US-Teams sowie das wachsende Engagement Komáreks im Hochleistungssegelsport.

Neben der finanziellen Dimension bleibt auch die industrielle und strategische Rolle von Piero Ferrari relevant. Seit 2013 trägt er im Rahmen des Produktstrategiekomitees zur Entwicklung der Marken des Konzerns bei. Diese Rolle könnte nach aktuellen Informationen auch künftig fortgeführt werden, möglicherweise innerhalb des Verwaltungsrats.

Die Situation bleibt somit auf mehreren Ebenen offen: Einerseits die finale Phase des Übernahmeangebots, andererseits die künftige Governance-Struktur. Wichtige Termine sind der 17. April für die Einreichung der Listen sowie der 14. Mai für die Hauptversammlung.

Die aktuellen Annahmezahlen stellen einen wichtigen Schritt dar—da sie die Bewegung von Ferrari effektiv bestätigen—reichen jedoch noch nicht aus, um die zukünftige Eigentümerstruktur des Konzerns eindeutig zu bestimmen.

Copyright © 2022 Pressmare All Rights Reserved