In einer Phase, in der die maritime Industrie nach konkreten Lösungen sucht, um Emissionen und Verbrauch zu senken, ohne Zuverlässigkeit und Betriebssicherheit zu beeinträchtigen, gewinnt Methanol nicht nur im Bereich der Schiffsantriebe, sondern auch bei den Hilfssystemen an Bord zunehmend an Bedeutung.
In genau diesem Kontext steht das neue Projekt von Nanni — dem traditionsreichen multinationalen Hersteller von Schiffsmotoren und Generatoraggregaten — das seinen ersten methanolbetriebenen High-Speed-Dual-Fuel-Motor in Zusammenarbeit mit ScandiNAOS AB entwickelt hat. Das 2005 gegründete und in Göteborg ansässige schwedische Unternehmen ist auf Schiffskonstruktion und nachhaltige maritime Transportsysteme spezialisiert. ScandiNAOS arbeitet seit Jahren an der Integration alternativer Kraftstoffe mit besonderem Fokus auf Methanol, das heute als eine der praktikabelsten Lösungen zur Reduzierung der Emissionen im maritimen Sektor gilt, ohne die operativen Komplexitäten anderer Energieträger wie Wasserstoff in Kauf nehmen zu müssen.
Das Projekt entstand im Rahmen des Programms Life Mystic und konzentriert sich auf die Entwicklung einer Technologie, die den gleichzeitigen Einsatz von Diesel und Methanol auf Motoren ermöglicht, die auf der 6-Liter-John-Deere-Plattform basieren und für den Einsatz als marine Generatoraggregate vorgesehen sind. Ziel ist es, den Übergang des maritimen Sektors zu nachhaltigeren Energiesystemen im Einklang mit den IMO-Vorgaben zur Reduzierung atmosphärischer Emissionen zu unterstützen.
Die von Nanni und ScandiNAOS entwickelte Lösung basiert auf einem High-Speed-Dual-Fuel-Motor, also einem Schiffsmotor, der mit den hohen Drehzahlen arbeitet, die typisch für die Yachtindustrie und Generatoraggregate sind, und gleichzeitig Diesel und Methanol nutzen kann. Das System arbeitet mit einem Energiemix aus etwa 30 % Diesel und 70 % Methanol — eine Lösung, die Verbrauch und Emissionen senken soll, ohne Zuverlässigkeit oder Betriebskontinuität zu beeinträchtigen.
Technisch basiert das Projekt auf dem von ScandiNAOS AB entwickelten Umrüstkit, das sowohl ein spezielles Steuerungssystem für Methanol als auch Hardware-Modifikationen umfasst, die die Einspritzung des Kraftstoffs in den Versorgungskreislauf ermöglichen. Einer der interessantesten Aspekte betrifft die automatische Umschaltung zwischen den beiden Betriebsarten: Sobald der Methanoltank leer ist, wechselt der Motor automatisch zurück in den Dieselbetrieb, ohne dass der Betrieb unterbrochen wird.
Nach Angaben der beiden Unternehmen wurde der auf Dual-Fuel-Betrieb umgerüstete Motor bereits einer ersten Testkampagne unterzogen, die gemäß den IACS-Standards für das progressive Loading von Motoren und Generatoraggregaten und in Anwesenheit eines RINA-Vertreters durchgeführt wurde. Dabei wird der Motor schrittweise unterschiedlichen Last- und Leistungsstufen ausgesetzt, um Betriebsstabilität, Betriebskontinuität, Verbrauch und Emissionen unter verschiedenen Einsatzbedingungen zu überprüfen.
Die präsentierten Ergebnisse zeigen insbesondere im Bereich der Emissionen sehr interessante Werte. Während der Tests lag der aus Methanol gewonnene Energieanteil zwischen 50 % und 75 %, wobei sowohl im Diesel- als auch im Dual-Fuel-Betrieb die volle Leistung verfügbar blieb. Aus Umweltsicht meldet Nanni Reduzierungen zwischen 95 % und 99 % bei den Emissionen von CO (Kohlenmonoxid) und HC (unverbrannte Kohlenwasserstoffe), während die NOx-Emissionen — Stickoxide, die zu den Hauptverursachern luftverschmutzender Emissionen von Verbrennungsmotoren zählen — unter den meisten Lastbedingungen um 65 % reduziert wurden. Auch der Partikelausstoß, also die bei der Verbrennung entstehenden festen Mikropartikel, soll deutlich geringer ausfallen, was auf eine sauberere Verbrennung im Vergleich zu herkömmlichen Schiffskraftstoffen hinweist.
Das Projekt stellt den ersten von Nanni entwickelten High-Speed-Dual-Fuel-Motor dar und soll nach Angaben des Unternehmens den Weg für eine neue Generation von Schiffsmotoren ebnen. Nicht zufällig lag der erste Fokus auf Generatoraggregaten: Gerade Hilfssysteme gelten heute als einer der geeignetsten Bereiche, um alternative Kraftstoffe schrittweise sowohl in der Yachtindustrie als auch bei kleinen und mittelgroßen gewerblichen Schiffen einzuführen.