The Italian Sea Group: Eigenkapital unter gesetzliches Minimum gefallen – Sanierungsplan eingeleitet

21/05/2026 - 20:16 in Editorial by Press Mare

Nach Wochen, in denen der Markt bereits verstanden hatte, dass die Situation deutlich ernster war als eine bloße vorübergehende Schwierigkeit, formalisiert The Italian Sea Group nun einen der kritischsten Momente ihrer jüngeren Geschichte: Das Eigenkapital des Unternehmens wurde durch Verluste so stark aufgezehrt, dass es unter das gesetzlich vorgeschriebene Mindestniveau gefallen ist.

Die vor wenigen Stunden von der von Giovanni Costantino geführten Gruppe veröffentlichte Mitteilung stellt die erste offizielle Anerkennung einer manifesten Kapital- und Vermögenskrise gemäß Artikel 2447 des italienischen Zivilgesetzbuches dar. Diese Vorschrift greift dann, wenn Verluste das Eigenkapital einer Aktiengesellschaft unter die gesetzliche Mindestschwelle reduzieren.

Der Verwaltungsrat, der am 21. Mai zusammentrat, stellte fest, dass die im Rahmen der Erstellung des neuen Businessplans und der finanziellen Restrukturierungsmaßnahmen durchgeführten Prüfungen Verluste aufgezeigt haben, die die Vermögensstruktur des Konzerns beeinträchtigen. Die endgültige Höhe wurde noch nicht beziffert, da weiterhin buchhalterische und gutachterliche Überprüfungen laufen. Der Verwaltungsrat erklärt jedoch bereits jetzt, dass es „sicher“ sei, dass das Kapital unter die von Artikel 2327 des italienischen Zivilgesetzbuches vorgesehene Mindestgrenze gefallen ist. Aus gesellschaftsrechtlicher Sicht handelt es sich um einen äußerst schwerwiegenden Schritt, da die Verwaltungsorgane verpflichtet sind, unverzüglich die gesetzlich vorgesehenen Verfahren einzuleiten: von der Einberufung der Hauptversammlung bis hin zur Erstellung einer aktualisierten Vermögenssituation, die die Verluste exakt quantifizieren muss.

Gleichzeitig versucht die Gruppe jedoch, dem Markt eine weitere Botschaft zu vermitteln: Die Unternehmensfortführung wird zumindest nach Ansicht des Managements und der Berater weiterhin als realistisch angesehen. Nicht zufällig verweist die Mitteilung mehrfach auf das Konzept des „Going Concern“, also auf die Fähigkeit des Unternehmens, seine Geschäftstätigkeit regulär fortzuführen und dabei Beziehungen zu Kunden, Lieferanten und Banken aufrechtzuerhalten.

Giovanni Costantino

Genau um dieses Ziel herum drehen sich die Leitlinien des neuen Sanierungsplans.

Die vom Verwaltungsrat skizzierte Strategie basiert auf einigen klar definierten Maßnahmen. Die erste betrifft laufende Neuverhandlungen mit verschiedenen Eignergesellschaften, um einen Teil der aufgelaufenen Mehrkosten bei laufenden Aufträgen zurückzugewinnen. Dies lässt erkennen, wie stark sich die wirtschaftliche Verschlechterung insbesondere auf große Custom- und Made-to-Measure-Projekte ausgewirkt hat — ein Segment, in dem Kostensteigerungen, Verzögerungen und industrielle Komplexität erhebliche Auswirkungen auf die Margen haben können.

Darüber hinaus sieht der Plan die Neubewertung des Immobilienvermögens der Gruppe sowie mögliche Verkäufe nicht mehr als strategisch eingestufter Vermögenswerte vor. Ein Instrument, das genutzt werden könnte, um die Kapitalbasis zu stärken und die finanziellen Gleichgewichte zu verbessern, ohne direkt in die operative Kontinuität der Marken und Hauptaktivitäten einzugreifen.

Wenn man darüber nachdenkt, welche Vermögenswerte innerhalb von TISG im Gegenzug für eine erhebliche Kapitalspritze geopfert werden könnten, fällt der Blick zwangsläufig auf die Werft, die einst unter dem Namen Beconcini bekannt war und später Picchiotti in La Spezia wurde. Bereits zur Zeit der Insolvenz der Perini Group hatte die Anlage sowohl das Interesse von Massimo Perotti geweckt, der die Produktionskapazitäten von Sanlorenzo erweitern wollte, als auch von Alberto Galassi, inzwischen ehemaliger CEO der Ferretti Group, der seinen Fokus später auf die Rosetti-Werft in Ravenna verlagerte. Und sicherlich gäbe es auch heute mehrere weitere Interessenten, die gerne Zugang zu dieser Struktur im sogenannten „Miglio Blu“ erhalten würden — einem Gebiet, in dem praktisch alle auf der Suche nach Docks und Industriehallen sind.

In der Mitteilung findet sich außerdem ein Hinweis auf „mögliche positive Effekte“ aus einer Vereinbarung mit der Finanzverwaltung, was darauf schließen lässt, dass auch steuerliche und fiskalische Themen Gegenstand laufender Gespräche sind.

Der Verwaltungsrat führt die Ursachen der Krise ausdrücklich auf die „pflichtwidrige Geschäftsführung bestimmter leitender Manager, die koordiniert zusammengearbeitet haben“, zurück und bestätigt damit die Linie, die die Gruppe bereits in den vergangenen Monaten verfolgt hatte. Eine sehr harte Formulierung, die den Fokus der Krise weiterhin auf interne Managementverantwortlichkeiten lenkt und eng mit den von KPMG Advisory durchgeführten forensischen Untersuchungen verbunden bleibt.

Gerade bei dieser internen Untersuchung zeichnet sich jedoch auch eine Verzögerung ab. Die im Februar 2026 gestartete forensische Due Diligence wird nicht vor Ende Juni oder Anfang Juli abgeschlossen sein. Nach Angaben des Unternehmens hängt die Verzögerung damit zusammen, dass den Maßnahmen zur Sicherung der Unternehmensfortführung Priorität eingeräumt werden musste sowie mit den operativen Schwierigkeiten infolge der vorübergehenden Reduzierung des Top-Managements, das inzwischen wieder neu aufgebaut wurde.

Inzwischen hat die Gruppe zudem beschlossen, die Schutzmaßnahmen gemäß Artikel 20 des italienischen Unternehmenskrisengesetzes zu aktivieren — ein Instrument, das das Unternehmen während der Ausarbeitung des Restrukturierungsplans vorübergehend vor Maßnahmen der Gläubiger schützt. Aus industrieller Sicht entsteht das Bild einer Gruppe, die versucht, den Wert ihrer Produktionsanlagen und Marken — Admiral, Tecnomar, Perini Navi, Picchiotti und NCA Refit — zu bewahren und gleichzeitig ihre finanzielle und kapitalmäßige Struktur neu zu ordnen. Entscheidend wird kurzfristig sein, ob die vorgesehenen Maßnahmen tatsächlich ausreichen werden, um das Gleichgewicht wiederherzustellen, ohne den operativen Betrieb, den Auftragsbestand sowie das Vertrauen von Kunden und Lieferanten zu gefährden.

Denn in Situationen wie dieser ist der kritischste Punkt nicht nur die Vermögenslage selbst. Entscheidend ist vor allem die Fähigkeit, die industrielle Glaubwürdigkeit in einem Sektor wie dem Bau großer Custom-Superyachten zu bewahren — einem Markt, in dem Bauzeiten lang sind, Projekte viele Millionen wert sind und das Vertrauen des Eigners häufig den eigentlichen strategischen Vermögenswert darstellt.

Im Anhang zu diesem Artikel kann die heute von The Italian Sea Group veröffentlichte Pressemitteilung heruntergeladen werden.

 

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