Weniger als eine Woche nachdem The Italian Sea Group offiziell Verluste eingeräumt hatte, die das Eigenkapital unter die gesetzlich vorgeschriebene Grenze sinken ließen, und die Einleitung eines Sanierungsplans angekündigt hatte, richtet sich die Aufmerksamkeit des Unternehmens nun wieder auf die industrielle Tätigkeit.
Die Werftgruppe aus Marina di Carrara teilte mit, dass die operativen Aktivitäten schrittweise verstärkt werden sollen, um bereits in der ersten Junidekade die volle Betriebsfähigkeit zu erreichen. Nach Angaben des Unternehmens ist dies ein konkretes Signal für industrielle Kontinuität und operative Stabilität – nicht nur für TISG selbst, sondern auch für das Netzwerk von Zulieferern und Partnerunternehmen, das einen wesentlichen Bestandteil der Produktionskette bildet. Die Mitteilung erfolgt in einer besonders sensiblen Phase für die Gruppe. Am 21. Mai hatte der Verwaltungsrat bekannt gegeben, dass die im Rahmen der Ausarbeitung des neuen Businessplans und der finanziellen Restrukturierungsmaßnahmen durchgeführten Prüfungen Verluste aufgezeigt hätten, die die Kapitalstruktur des Unternehmens beeinträchtigten. Dadurch sei die Einleitung der im Artikel 2447 des italienischen Zivilgesetzbuches vorgesehenen Maßnahmen sowie die Ausarbeitung eines Plans zur finanziellen und bilanziellen Neuausrichtung erforderlich geworden.
Im aktuellen Update liegt der Schwerpunkt jedoch auf dem Fortschritt der laufenden Bauprogramme. Die erste Einheit der neuen Admiral-Panorama-50-Meter-Serie hat kürzlich ihre Probefahrten erfolgreich abgeschlossen; die Auslieferung ist für Anfang Juli vorgesehen. Die zweite Einheit derselben Baureihe mit Hybridantrieb soll in der ersten Julihälfte vom Stapel laufen und im September an ihren Eigner übergeben werden.
Auch das Projekt Tecnomar for Lamborghini 101 schreitet planmäßig voran. Die Yacht befindet sich derzeit in der Abschlussphase der Stahl- und Aluminiumarbeiten in den türkischen Werftanlagen der Gruppe. Mitte Juni soll sie nach Italien überführt werden, wo die Endausrüstung beginnt.
Bei den größeren Custom-Projekten befinden sich die Ende 2025 akquirierten Aufträge über eine 82-Meter- und eine 85-Meter-Yacht derzeit in der Phase der Ausführungsplanung. Nach Angaben des Unternehmens sollen die Kiellegungen zwischen Juli und September in den türkischen Werftanlagen erfolgen. Dort wird zugleich an einer weiteren 88-Meter-Yacht gebaut, die im Oktober zur Endausrüstung nach Italien gebracht werden soll.
TISG hebt zudem hervor, dass die Aktivitäten der Refit-Division zu keinem Zeitpunkt unterbrochen wurden und weiterhin regulär laufen. Gleiches gilt für Celi 1920, das sowohl die Schiffbauprogramme als auch die allgemeinen Produktionsaktivitäten der Werft weiterhin unterstützt. Auf kommerzieller Ebene bestätigte die Gruppe ihre Teilnahme an der Monaco Yacht Show 2026 im kommenden September. Die Veranstaltung gilt als wichtiger Treffpunkt für Eigner, Makler und internationale Akteure der Superyachtbranche. Im letzten Teil der Mitteilung bekräftigt das Unternehmen, dass die finanzielle Neuausrichtung auf Grundlage der bereits definierten strategischen Maßnahmen umgesetzt werden soll. Liquiditätsmanagement und operative Finanzprozesse stünden weiterhin im Fokus, um die Unternehmensfortführung sicherzustellen. Die Erklärung fügt sich in den umfassenderen Restrukturierungsprozess ein, den das Management in den vergangenen Wochen eingeleitet hat und weiterhin als realisierbar betrachtet.
Gestern gab die Gruppe zudem die Einberufung der ordentlichen Hauptversammlung für den 22. Juli 2026 bekannt. Die Einberufungsunterlagen, Informationen zum Grundkapital sowie die Vollmachtsformulare wurden den Aktionären zur Verfügung gestellt. Auch wenn es sich um einen formalen Schritt handelt, stellt die Versammlung einen der nächsten wichtigen Meilensteine im Zusammenhang mit der Bewältigung der finanziellen Situation des Unternehmens dar.
Offen bleibt dagegen die Frage möglicher Veräußerungen nicht strategischer Vermögenswerte. In der Mitteilung vom 21. Mai hatte The Italian Sea Group erklärt, dass die Verwertung und gegebenenfalls der Verkauf bestimmter Vermögenswerte Teil des Plans zur bilanziellen Neuausrichtung sein könnten.
Zu diesem Thema enthält die aktuelle Mitteilung jedoch keine weiteren Informationen. In den vergangenen Tagen hatten verschiedene Medien spekuliert, dass die Werft in La Spezia – in der Branche als Picchiotti-Werft und früher als Beconcini-Werft bekannt – zu den potenziell betroffenen Vermögenswerten gehören könnte. Diese Spekulationen halten sich weiterhin in der Yacht- und Finanzbranche, wurden bislang jedoch von der Gesellschaft weder bestätigt noch kommentiert. Die aktuelle Mitteilung enthält keinerlei Hinweise auf mögliche Verkäufe oder darauf, welche Vermögenswerte gegebenenfalls in den Restrukturierungsprozess einbezogen werden könnten.
Abschließend bekräftigte Giovanni Costantino die vollständige Umsetzbarkeit des gemeinsam mit externen Beratern entwickelten Sanierungsplans. Gleichzeitig reagierte er auf die jüngste Kritik einiger Gewerkschaftsorganisationen und betonte, dass die Komplexität der Situation eine Bewertung auf Grundlage der tatsächlichen wirtschaftlichen und operativen Verhältnisse des Unternehmens erfordere.