Giorgio Besenzoni: Heute entsteht Yachtzubehör durch gemeinsame Entwicklung mit den Werften

04/06/2026 - 14:55 in Zubehör by Press Mare

In der italienischen Yachtzulieferindustrie gibt es Unternehmen, die häufig fernab des Rampenlichts agieren – jenes Rampenlichts, das auf die exklusivsten Yachten, die bekanntesten Werften und die renommiertesten Namen des Yachtdesigns gerichtet ist. Dennoch haben sie maßgeblich zur qualitativen Entwicklung der gesamten Branche beigetragen. Besenzoni ist eines dieser Unternehmen. 1967 in Sarnico von Giovanni Besenzoni gegründet und heute von seinem Sohn Giorgio geführt, hat sich das Unternehmen aus der Provinz Bergamo im Laufe der Jahre zu einem internationalen Referenzpunkt für Komponenten und Zubehör für Yachten und Superyachten entwickelt: Gangways, Steuersitze, Seitentüren, Kräne und maßgeschneiderte Systeme für große Yachten. All jene Elemente, die auf den Fotos einer Yachtpremiere oft unsichtbar bleiben, an Bord jedoch jeden Tag den Unterschied ausmachen.

Während des Blue Design Summit in La Spezia trafen wir Giorgio Besenzoni, Geschäftsführer des Unternehmens, um über die Entwicklung der Branche, die Zusammenarbeit mit den Werften, Nachhaltigkeit und die zunehmende Bedeutung gemeinsamer Entwicklungsprozesse bei Yachtkomponenten zu sprechen.

PressMare – Besenzoni ist ein traditionsreiches Unternehmen der italienischen Yachtbranche. Wie hat sich Ihre Rolle innerhalb der Lieferkette verändert?

Giorgio Besenzoni – Wir sind seit 1967 in diesem Sektor tätig. Nächstes Jahr feiern wir das sechzigjährige Bestehen unseres Unternehmens. Mein Vater Giovanni begann mit der Herstellung von Bootskomponenten zu einer Zeit, als viele Arbeiten noch direkt in den Werften ausgeführt wurden. Heute sind wir Teil einer hochspezialisierten Lieferkette, die zum Bau einiger der bedeutendsten Yachten der Welt beiträgt.

PM – Ihr Markt ist inzwischen international. Welchen Anteil hat das Exportgeschäft?

GB – Wir verkaufen in rund 56 Ländern, und unser Markt teilt sich im Wesentlichen in zwei Hälften: 50 % Italien und 50 % Ausland. In jüngster Zeit wächst jedoch der italienische Anteil wieder.

PM – Welches Marktsegment ist für Besenzoni besonders relevant?

GB – Unsere Produkte werden auf Yachten ab 15 Metern Länge installiert. Je nach Produkttyp beliefern wir Yachten von 40, 60 oder 70 Metern bis hin zu 80 Metern Länge.

PM – Welche Bedeutung hat die Individualisierung im Vergleich zur Serienproduktion?

GB – Selbst unsere Serienprodukte sind bereits individualisiert. Wir produzieren direkt für die Werften, und jede Lieferung wird an die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Projekts angepasst. Das bedeutet, eng nicht nur mit den technischen Abteilungen, sondern auch direkt mit Konstrukteuren und Designern zusammenzuarbeiten.

Das Thema der gemeinsamen Entwicklung zieht sich wie ein roter Faden durch Besenzonis Ausführungen: Es geht nicht mehr um eine klassische Kunden-Lieferanten-Beziehung, sondern um eine kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen Designabteilungen, Ingenieuren und Yachtdesignern. Nach Ansicht von Giorgio Besenzoni ist dies heute einer der wichtigsten Wettbewerbsvorteile der italienischen Yachtzulieferindustrie – und macht Besenzoni zu einem strategischen Partner der Werften, weit mehr als zu einem einfachen Zulieferer.

PM – Wie entsteht Innovation in einem Unternehmen wie Ihrem? Kommt sie von den Werften oder aus Ihrer eigenen Entwicklungsarbeit?

GB – Beides. Manchmal sind wir es, die neue Lösungen vorschlagen, etwa elektrische Gangways oder elektrische Seitentüren. In anderen Fällen kommen die Werften mit besonderen Anforderungen auf uns zu, die uns dazu zwingen, neue technische Lösungen zu entwickeln. Gerade diese kontinuierliche Suche führt zur Entwicklung innovativer Produkte.

PM – Wie komplex ist die Entwicklung maßgeschneiderter Komponenten für große Yachten?

GB – Das hängt stark vom jeweiligen Projekt ab. Wir verfügen über zwölf Ingenieure im eigenen Haus und arbeiten außerdem mit externen Ingenieurbüros zusammen, die Berechnungen und technische Lösungen validieren. Manche Seitentüren wirken auf den ersten Blick einfach, werden aber sehr komplex, weil sie echte Treppenanlagen, Brückenkräne oder andere Systeme integrieren müssen. Dann gilt es, all diese Funktionen innerhalb einer einzigen Komponente unterzubringen.

PM – Welcher Anteil Ihrer Produktion erfolgt intern?

GB – Etwa 90 %. Alle strategisch wichtigen Arbeiten werden im Unternehmen durchgeführt: Lackierung, chemische Metallbehandlung, robotergestütztes und manuelles Schweißen durch zertifizierte Schweißer sowie die Endmontage. Ausgelagert werden lediglich die stärker standardisierten und wiederkehrenden Prozesse.

Die direkte Kontrolle über die Produktionskette, hohe Qualitätsstandards und die Fähigkeit, schnell auf hochgradig individualisierte Projekte zu reagieren, bilden die Grundpfeiler der Unternehmensstrategie von Besenzoni. Dass fast 90 % der Fertigungsschritte intern ausgeführt werden, ist nicht nur eine organisatorische Entscheidung, sondern auch eine Garantie für Zuverlässigkeit und Flexibilität.

PM – ESG-Themen spielen inzwischen auch in der Yachtbranche eine zentrale Rolle. Wie gehen Sie mit diesem Wandel um?

GB – Wir haben unseren ESG-Prozess im Jahr 2022 gestartet und bereits unseren dritten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Wir konzentrieren uns auf vier zentrale Themen: soziale Verantwortung, Ethik, Produktentwicklung und Umwelt. Aus technischer Sicht gehören wir zu den Unternehmen, die den Wandel von hydraulischen zu elektrischen Gangways und Treppen am stärksten vorangetrieben haben. Dadurch wird der Einsatz von Öl reduziert und somit auch das Risiko von Leckagen im Maschinenraum oder in der Meeresumwelt minimiert.

PM – Arbeiten Sie auch an neuen Materialien?

GB – Ja. Wir verwenden bereits als recycelbar bekannte Materialien wie Stahl und führen Harze ein, die aus der Rückgewinnung und Wiederaufbereitung von Produktionsabfällen gewonnen werden. Darüber hinaus kommen bei einigen Lederbezügen für Sitze nanotechnologische Behandlungen zum Einsatz, die die Beständigkeit gegen hohe Temperaturen verbessern und die Farbstabilität langfristig erhöhen.

PM – Welches Produkt ist heute das Aushängeschild von Besenzoni?

GB – Die Gangway bleibt unser wichtigstes Produkt.

PM – Und welche Rolle spielt der Bereich Sitze und Innenausstattung?

GB – Dafür haben wir Atelier Besenzoni. Es geht auf einen traditionsreichen Betrieb für nautische Polsterarbeiten zurück, der bereits seit den 1960er Jahren am See tätig war. Wir haben diesen handwerklichen Ansatz bewahrt und ihn mit modernen Materialien und Technologien kombiniert.

PM – Wer entscheidet letztlich für Besenzoni – die Werft oder der Eigner?

GB – In den meisten Fällen die Werft. Manchmal verlangt jedoch auch der Endkunde ausdrücklich nach unseren Produkten.

PM – Warum entscheidet sich heute eine Werft oder ein Eigner für Besenzoni?

GB – Wegen des Service, den wir langfristig gewährleisten. Wir begleiten unsere Produkte nicht nur während der Garantiezeit, sondern oft noch viele Jahre später. Wir betreuen noch heute Komponenten, die bereits in den 1980er Jahren installiert wurden, und bieten dafür weiterhin Wartung und Unterstützung an.

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