Die Messe erhält einen neuen Platz im internationalen Veranstaltungskalender, die Ausstellungsflächen wachsen weiter und die neue Waterfront nimmt Gestalt an. Die 66. Genoa International Boat Show, die vom 1. bis 6. Oktober in Genua stattfindet, entwickelt sich zu einer richtungsweisenden Ausgabe, während sich der Markt weiterhin mit zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegt: Einerseits verzeichnet das Segment der kleineren Sportboote eine Abschwächung, andererseits wächst der Bereich der großen Yachten weiterhin.
Wir haben darüber mit Piero Formenti, Präsident von Confindustria Nautica, gesprochen. In diesem Interview erläutert er nicht nur die wichtigsten Neuerungen der Messe, sondern auch seine Einschätzung der Branchenperspektiven nach seinem ersten Amtsjahr sowie die größten Herausforderungen für die italienische Bootsindustrie.
PressMare – Herr Präsident, die auffälligste Veränderung gegenüber den vergangenen Ausgaben betrifft den Termin. Die Messe findet vom 1. bis 6. Oktober statt – nicht mehr zwischen Cannes und Monaco, sondern unmittelbar danach. Warum haben Sie sich für diese Änderung entschieden und welche Auswirkungen erwarten Sie?
Piero Formenti – Das ist wahrscheinlich die bedeutendste Neuerung dieser Ausgabe und sie erweist sich bereits als eine äußerst erfolgreiche strategische Entscheidung. Unsere Branche befindet sich derzeit in einer besonderen Phase: Das Segment der kleinen und mittelgroßen Sportboote erlebt eine Abschwächung, die vor allem auf die Unsicherheit der Verbraucher hinsichtlich der geopolitischen und wirtschaftlichen Lage zurückzuführen ist, während der Markt für große Yachten weiter wächst.
Der neue Termin erleichtert die Teilnahme größerer Yachten und stärkt die internationale Positionierung der Genoa International Boat Show zusätzlich. Gleichzeitig verlängert sich die Bootssaison immer mehr, und viele Menschen nutzen ihre Boote inzwischen auch noch im September. Die neue Terminierung erleichtert daher sowohl Fachbesuchern als auch Freizeitkapitänen den Messebesuch – zu einem Zeitpunkt, an dem die Bootssaison allmählich ausklingt.
PM – Wie haben die Unternehmen auf diese Änderung reagiert?
PF – Die Resonanz ist ausgesprochen positiv. Die Branche steht voll hinter dieser Entscheidung. Trotz eines insgesamt anspruchsvollen Marktumfelds führen wir weiterhin Wartelisten für Aussteller – etwas, das in einer Phase der Marktabschwächung eher ungewöhnlich ist. Das zeigt das anhaltend große Vertrauen der Branche in die Genoa International Boat Show. Wir erwarten, dass auch das Publikum ähnlich positiv reagieren wird, denn die Begeisterung für den Wassersport ist ungebrochen.
PM – Auch die Waterfront von Genua entwickelt sich kontinuierlich weiter. Wie weit sind die Arbeiten inzwischen fortgeschritten und was erwartet Aussteller und Besucher auf der diesjährigen Messe?
PF – Die Veränderungen sind deutlich sichtbar. Durch die Fertigstellung des neuen Lotsenturms sowie die Nutzung von Flächen, die bislang nicht verfügbar waren, konnten wir zusätzliche Wasserflächen gewinnen. Auch an Land wächst die Messe weiter – dank der Neugestaltung des ehemaligen Zelthallenbereichs, der ohne Dach noch großzügiger wirkt, sowie durch die neue Mehrzweckarena.
Natürlich ist das Waterfront-Projekt noch nicht vollständig abgeschlossen. Einige Arbeiten – angefangen bei den Tiefgaragen unter der Piazzale Kennedy – werden erst im kommenden Jahr fertiggestellt, während der Stadtpark sich noch im Bau befindet. Verglichen mit den Ausgaben vor wenigen Jahren ist der Qualitätssprung jedoch offensichtlich, und die Messe erhält nun endlich eine wesentlich harmonischere Gesamtstruktur.
PM – Welche Rolle wird die neue Mehrzweckarena innerhalb der Veranstaltung spielen?
PF – Sie wird der Stadt kostenlos zugänglich sein und als Treffpunkt zwischen der Messe und all jenen dienen, die normalerweise keinen direkten Bezug zur Welt des Wassersports haben.
Wir haben dort ein Programm entwickelt, das den Themen gewidmet ist, die ich während meiner Amtszeit als Schwerpunkte definiert habe: soziale Verantwortung im Wassersport, Aus- und Weiterbildung, neue Berufe in der maritimen Wirtschaft, Nachhaltigkeit, Innovation sowie der Dialog mit den Institutionen. Es wird Bereiche für kleine Boote, den neuen Bootsführerschein für Sechzehnjährige, Simulatoren, Drohnen und neue Technologien – einschließlich der Foiling-Welt – geben.
Unser Ziel ist es, die Kultur des Meeres einem immer breiteren Publikum näherzubringen.
PM – Im vergangenen Jahr haben Sie die Tech Trade Days eingeführt. Wie wird sich diese Initiative in diesem Jahr weiterentwickeln und welche Ergebnisse erwarten Sie?
PF – Im vergangenen Jahr war es ein Pilotprojekt. Heute ist daraus eine deutlich strukturiertere Initiative geworden, die sich auf die ersten beiden Messetage konzentriert. Die Idee ist einfach: führende Ausrüstungs- und Komponentenhersteller mit den Werften zusammenzubringen. Beide Gruppen sind ohnehin auf der Messe vertreten, sodass die Logik dieser Initiative auf der Hand liegt. Darüber hinaus erhalten die Einkaufsabteilungen der wichtigsten Werften eigene Besuchstage sowie besondere Konditionen, um die Messe zu besuchen und neue Geschäftsbeziehungen aufzubauen.
PM – Kommen wir zu den Eintrittskarten. Welche Preispolitik verfolgen Sie in diesem Jahr?
PF – Wir haben die Eintrittspreise des vergangenen Jahres bestätigt und zusätzlich ein neues Ticket für Besucher unter 25 Jahren zum Preis von 13 Euro eingeführt. Angesichts steigender Organisationskosten wäre es einfach gewesen, diese Mehrkosten an die Besucher weiterzugeben. Stattdessen haben wir uns bewusst dafür entschieden, weiterhin in die Zugänglichkeit der Veranstaltung zu investieren. Unser Ziel ist es, den Unternehmen die größtmögliche Bühne zu bieten und gleichzeitig neue Besucher – insbesondere junge Menschen, die die Bootsfahrer und Eigner von morgen sein werden – für den Wassersport zu begeistern.
PM – Der Design Innovation Award hat in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Wie hat sich diese Auszeichnung entwickelt?
PF – Ich muss zugeben, dass ich meine Meinung über Auszeichnungen im Allgemeinen geändert habe. Als Unternehmer war ich vielen Branchenpreisen gegenüber immer eher skeptisch, weil sie nicht immer als wirklich unabhängig wahrgenommen wurden. Als Präsident hatte ich jedoch die Möglichkeit, die Organisation des Design Innovation Award aus nächster Nähe zu verfolgen, und habe meine Einschätzung grundlegend revidiert. Die Jury setzt sich aus Fachleuten unterschiedlichster Bereiche zusammen, die Boote werden direkt auf der Messe bewertet, und alle ausstellenden Unternehmen können teilnehmen – unabhängig davon, ob sie Mitglied von Confindustria Nautica sind.
PM – Die Genoa International Boat Show ist dank der zahlreichen Fachkonferenzen auch eine wichtige Plattform für den Dialog zwischen Institutionen, Unternehmen und Fachleuten. Welche Veranstaltungen werden in diesem Jahr besonders im Mittelpunkt stehen?
PF – Die Konferenzprogramme sind zu einem immer wichtigeren Bestandteil der Messe geworden. Wir organisieren diese Veranstaltungen nicht, um lediglich das Programm zu füllen, sondern um Themen zu behandeln, die für die Entwicklung unserer Branche von konkreter Bedeutung sind. Wie jedes Jahr werden wir La Nautica in Cifre vorstellen – die wichtigste Studie zur italienischen Bootsindustrie. Sie ist ein unverzichtbares Instrument, um den Zustand der Branche zu analysieren und den Dialog mit Institutionen, Banken und Investoren zu fördern. Dieses Projekt setzt eine immer engere Zusammenarbeit mit den Unternehmen voraus, denn nur auf der Grundlage vollständiger Daten können wir ein wirklich repräsentatives Bild des Sektors liefern.
Darüber hinaus wird es Konferenzen zu den Themen Nachhaltigkeit, Aus- und Weiterbildung, technologische Innovation, maritime Berufe sowie zu den wichtigsten regulatorischen Fragen geben, die den Sektor betreffen.
PM – Die Organisation einer Veranstaltung dieser Größenordnung bedeutet auch, Themen wie Erreichbarkeit und Verkehr zu bewältigen. Wie gehen Sie diese Herausforderungen an?
PF – Daran arbeiten wir gemeinsam mit den lokalen Institutionen. Während der Messetage werden die wichtigsten Autobahnbaustellen auf den Zufahrtsstrecken nach Genua ausgesetzt – eine sehr wichtige Entscheidung, um Ausstellern und Besuchern die Anreise zu erleichtern.
Auch die Flugverbindungen verbessern sich: Dank neuer Strecken von Aeroitalia wird Genua insbesondere aus Süditalien deutlich einfacher zu erreichen sein.
Das Parkplatzproblem wird endgültig gelöst sein, sobald die neuen Parkhäuser der Waterfront in Betrieb gehen. Dennoch verbessert sich die Situation von Jahr zu Jahr spürbar.
PM – In Ihrem ersten Amtsjahr als Präsident haben Sie sich intensiv für den Ausbau der Beziehungen zu den Institutionen eingesetzt. Welche Bilanz ziehen Sie heute?
PF – Es war ein sehr intensives Jahr. Ich habe eine solide Organisation übernommen und versucht, die Arbeit meiner Vorgänger fortzuführen und gleichzeitig den Dialog mit der Regierung und dem Parlament weiter auszubauen.
Ich bin überzeugt, dass die Wassersportbranche heute anders wahrgenommen wird als noch vor einigen Jahren. Immer häufiger werden wir in Arbeitsgruppen und Gespräche eingebunden, in denen es um Themen wie Meer, Häfen, Tourismus und Industrie geht. Das ist ein wichtiges Ergebnis, weil unsere Branche inzwischen als strategischer Wirtschaftszweig für das Land anerkannt wird.
PM – Apropos Zusammenarbeit mit der Regierung: In den vergangenen Monaten hat Confindustria Nautica maßgeblich dazu beigetragen, den sogenannten Sea Enhancement Decree zum Abschluss zu bringen. Welche Ergebnisse halten Sie für besonders wichtig?
PF – Dieses Gesetz enthält zahlreiche Maßnahmen, auf die unsere Branche seit Langem gewartet hat. Natürlich ist die Arbeit noch nicht abgeschlossen, und es gibt weiterhin Themen, über die wir mit dem Gesetzgeber diskutieren werden. Dennoch stellt das Gesetz einen wichtigen Fortschritt dar.
Als Verband sehen wir unsere Aufgabe darin, die Bedürfnisse der Unternehmen gegenüber den Institutionen zu vertreten und dazu beizutragen, einen Rechtsrahmen zu schaffen, der das Wachstum der Bootsindustrie fördert, ohne dabei Sicherheit oder Umweltschutz zu vernachlässigen.
PM – In den vergangenen Monaten haben Sie außerdem mehrfach betont, die Präsenz von Confindustria Nautica in Süditalien weiter stärken zu wollen. Welches Ziel verfolgen Sie dabei?
PF – Süditalien ist ein wesentlicher Bestandteil der italienischen Bootsindustrie – sowohl im Hinblick auf die Produktion als auch auf den nautischen Tourismus und die Hafeninfrastruktur.
Deshalb arbeiten wir daran, als Verband in diesen Regionen noch stärker präsent zu sein, den direkten Dialog mit den Unternehmen auszubauen und sie intensiver in unsere Aktivitäten einzubeziehen. Ich bin überzeugt, dass ein wirklich nationaler Verband die Bedürfnisse aller Regionen des Landes vertreten können muss.
PM – Kehren wir zur Messe zurück: Der America’s Cup 2027 wird zweifellos eines der großen Themen der diesjährigen Ausgabe sein. Welche Rolle wird die Regatta innerhalb der Genoa International Boat Show spielen?
PF – Der America’s Cup bietet der gesamten italienischen Bootsindustrie eine außergewöhnliche Gelegenheit, sich international zu präsentieren. Wir arbeiten daran, Diskussionsveranstaltungen, die Teilnahme der Teams sowie verschiedene Initiativen zu organisieren, die Besuchern und Fachpublikum einen umfassenden Einblick in ein Ereignis ermöglichen, das erhebliche Auswirkungen auf den gesamten Sektor haben wird.
Die Einzelheiten werden in den kommenden Wochen bekannt gegeben, doch schon heute steht fest, dass ein Ereignis dieser Größenordnung einen wichtigen Platz innerhalb der Genoa International Boat Show einnehmen wird. Darüber hinaus hat Confindustria Nautica von Anfang an daran mitgewirkt, die italienische Industrie einzubinden, und unter anderem zur Einrichtung des Lieferantenportals für den America’s Cup beigetragen, um den italienischen Unternehmen die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, die sich aus dieser Veranstaltung ergebenden Chancen zu nutzen.
PM – Der Chartermarkt wächst weiter und ist inzwischen zu einem bedeutenden Bestandteil der Wassersportbranche geworden. Daher ist davon auszugehen, dass Unternehmen aus diesem Bereich auf der Genoa International Boat Show stark vertreten sein werden. Welche Prioritäten verfolgt Confindustria Nautica derzeit für diesen Sektor?
PF – Der Chartermarkt erlebt derzeit eine Phase starken Wachstums, was auch durch den Verlauf der laufenden Saison bestätigt wird. Für viele Menschen ist das Chartern einer Yacht der erste Kontakt mit der Welt des Wassersports: Zunächst sammelt man Erfahrungen mit einer Charteryacht und erst später zieht man den Kauf eines eigenen Bootes in Betracht. Diese Entwicklung ist eine natürliche Folge der Marktentwicklung und sollte durch einen angemessenen rechtlichen Rahmen begleitet werden.
Als Confindustria Nautica setzen wir uns dafür ein, dass die italienischen Vorschriften zunehmend an jene der anderen europäischen Länder angepasst werden. Ziel ist es, Hindernisse zu beseitigen, die italienische Unternehmen benachteiligen könnten, und die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Sektors zu stärken.
Diese Arbeit endet jedoch nicht auf nationaler Ebene. Viele Vorschriften, die den Wassersport betreffen, entstehen heute in Brüssel. Genau deshalb ist die Tätigkeit im Rahmen von European Boating Industry immer wichtiger geworden. An den europäischen Entscheidungstischen durch einen Verband vertreten zu sein, der die Branche wirksam repräsentiert, bedeutet, bereits in der frühen Phase der Gesetzgebung Einfluss nehmen zu können, die Sichtweise der Unternehmen einzubringen und dazu beizutragen, praxisnahe und wirksame Regelungen zu schaffen.
PM – Mit Blick auf die 66. Genoa International Boat Show: Welche Botschaft möchten Sie den Unternehmen mit auf den Weg geben, die ihre Teilnahme vorbereiten?
PF – Ich möchte alle ermutigen, dieser Ausgabe mit Zuversicht entgegenzusehen. Der Markt befindet sich derzeit in einer Phase der Konsolidierung, doch die italienische Bootsindustrie beweist weiterhin ihre Fähigkeit, Innovationen hervorzubringen, zu investieren und sich erfolgreich auf den internationalen Märkten zu behaupten.