Mit diesem Beitrag setzt PressMare die Zusammenarbeit mit Alfonso Postorino, Technischer Direktor der Werft Cantiere Rossini in Pesaro, fort. Nach seinen bisherigen Fachbeiträgen zum Thema Refit widmet er sich nun einem der aktuellsten Themen für Eigner und Fachleute der Branche: der Nachhaltigkeit.
In einem früheren Artikel habe ich mich bereits mit der Nachhaltigkeit von Refit-Arbeiten beschäftigt. Der Titel lautete „Refit und Nachhaltigkeit: Lebensdauer verlängern, Auswirkungen reduzieren“. Allein die Tatsache, dass ein Refit die Nutzungsdauer einer Yacht um viele Jahre verlängert, reduziert den CO₂-Fußabdruck, der bei ihrem Bau entstanden ist, und verbessert damit die Umweltbilanz sowohl der Yacht selbst als auch ihrer Nutzung.
Gleichzeitig ist es jedoch ebenso richtig, dass Refit-Werften erhebliche Mengen an Abfällen erzeugen, die sorgfältig und verantwortungsbewusst behandelt werden müssen. Tatsächlich sind sich vermutlich nur Fachleute bewusst, wie komplex die ordnungsgemäße Bewirtschaftung der großen Menge und Vielfalt an Abfällen ist, die während eines vier- bis sechsmonatigen Refit-Aufenthalts einer Yacht entstehen. Eine vollständige Auflistung aller Abfallarten wäre äußerst lang und wenig spannend. Einige der häufigsten Beispiele genügen jedoch, um zu verdeutlichen, warum eine Refit-Werft über geeignete Einrichtungen und klar definierte Verfahren für Sammlung und Entsorgung verfügen muss, die den geltenden gesetzlichen Vorschriften entsprechen.
Die ersten Herausforderungen beginnen unmittelbar nach dem Auskranen der Yacht, wenn der Unterwasserbereich des Rumpfes mit Hochdruck gereinigt wird. Das dabei anfallende Wasser gilt als Abfall (CER 161002 – wässrige Abfalllösungen) und muss daher von spezialisierten Unternehmen gesammelt und entsorgt werden. Einige Werften verfügen über eigene Aufbereitungsanlagen. Überschreiten die Mengen jedoch bestimmte Grenzen, ist die Entsorgung über externe Anlagen wirtschaftlicher. Um eine Vorstellung von den Größenordnungen zu vermitteln: Cantiere Rossini entsorgt jedes Jahr rund 330 Kubikmeter Waschwasser.
Anders verhält es sich mit Bilgenwasser (CER 160708* – ölhaltige Abfälle). Die Mengen sind zwar deutlich geringer, doch handelt es sich aufgrund des Gehalts an Dieselkraftstoff und/oder Schmierölen um gefährlichen Abfall (dies ist die Bedeutung des Sternchens hinter dem Code). Auch das Waschwasser aus Kraftstofftanks fällt in diese Kategorie.
Lackierarbeiten erzeugen wiederum verschiedene Arten von Abfällen: Staub- und Lösemittelemissionen in die Atmosphäre, Lackreste, leere Farbdosen, Lösemittel zur Reinigung von Werkzeugen, kontaminierte Lappen, Schutzmaterialien und vieles mehr.
Zur Begrenzung der Emissionen müssen Werften mit geeigneten stationären oder mobilen Filtersystemen ausgestattet sein, idealerweise getrennt für Staub und Lösemittel. Auch diese Anlagen erzeugen wiederum Abfälle, da die eingesetzten Filtermaterialien – beispielsweise Filtergewebe oder Aktivkohle – regelmäßig ersetzt werden müssen. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, auch die verbrauchten Filtermaterialien ordnungsgemäß zu entsorgen.
Selbst leere Farbdosen stellen aufgrund ihres großen Volumens und der anhaftenden Lackrückstände ein Problem dar. Nicht alle Entsorgungsanlagen sind für die Behandlung dieser Abfallart zugelassen. Deshalb ist es wichtig, die entsprechenden Genehmigungen, Zertifizierungen und deren Gültigkeit sorgfältig zu überprüfen.
Auch das Neulackieren einer Yacht erzeugt enorme Mengen an Schutzmaterial. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Papier- oder Kunststofffolien zum Schutz frisch lackierter Flächen sowie von Teakdecks und Verglasungen. Wird die Yacht zudem unter dem klassischen Schrumpffolien-„Cocoon“ lackiert, muss anschließend auch eine erhebliche Menge an Schrumpffolie entsorgt werden. Für den Cocoon einer 50-Meter-Yacht werden rund 2.000 kg Schrumpffolie benötigt.
Alles, was während eines Refits von einer Yacht ausgebaut wird, wird automatisch zu Abfall und muss ordnungsgemäß entsorgt werden. Die Liste ist entsprechend lang: Inneneinrichtungen, Polster, Außenkissen, Matratzen, Sonnensegel, Teppiche, Glasscheiben, Haushaltsgeräte, Audio- und Videoanlagen, Leuchten, Wandleuchten, Pumpen, Rohrleitungen, Filter, Elektromotoren, Batterien, Altöl und vieles mehr.
Nicht zu vergessen sind die Verpackungsmaterialien. Sämtliche Ersatzteile für ein Refit sowie neue Einrichtungsgegenstände werden in Holz- oder Kartonverpackungen angeliefert, die häufig erhebliche Mengen an Kunststoff enthalten. Glücklicherweise sind diese Materialien recycelbar – allerdings nur, wenn die Werft eine konsequente Mülltrennung organisiert. In Refit-Werften kommen zu den Verpackungen aus den eigenen Arbeitsprozessen auch diejenigen hinzu, die durch Einkäufe der Besatzungen entstehen. Die Crews bestellen heute nahezu alles online – nicht nur Material für die Yacht, sondern auch persönliche Gegenstände. Online-Handelsplattformen werden von allen Besatzungsmitgliedern intensiv genutzt. Deshalb haben einige Werften bereits spezielle Paketstationen nach dem Vorbild von „Amazon Lockern“ eingerichtet, um zu verhindern, dass ihre Lager täglich von Dutzenden Paketen überlastet werden.
Selbst die Versorgung einer Yacht vor Beginn der neuen Saison erzeugt erhebliche Mengen an Verpackungsmaterial, das die Refit-Werft sammeln und fachgerecht entsorgen muss. Man denke nur daran, dass sich an Bord einer 50-Meter-Yacht in der Regel acht bis zehn Crewmitglieder sowie zwölf Gäste befinden. Das entspricht einer kleinen Gemeinschaft von rund zwanzig bis zweiundzwanzig Personen – mit entsprechendem Verbrauch an Lebensmitteln und Getränken. Hinzu kommt, dass viele Vorräte in ihren Originalverpackungen an den Kai geliefert werden – Weinkartons, Obstkisten und Ähnliches. Aus Platzmangel an Bord bleiben diese Verpackungen häufig an Land zurück.
Um dieses erhebliche Abfallaufkommen ordnungsgemäß zu bewältigen, muss eine Refit-Werft über einen eigens dafür vorgesehenen Bereich verfügen – möglichst überdacht –, in dem die verschiedenen Abfallarten getrennt gelagert werden können, bis sie entsorgt werden. Jeder Abfall muss mit seinem entsprechenden CER-Code gekennzeichnet sein und innerhalb einer Frist von höchstens zwölf Monaten entsorgt werden. Die Entsorgung darf ausschließlich durch spezialisierte und entsprechend zugelassene Unternehmen erfolgen. Darüber hinaus muss jede Abfallbewegung in einem speziellen Register über Ein- und Ausgang dokumentiert werden, das den zuständigen Behörden jederzeit zur Verfügung stehen muss.
Neben den eigentlichen Abfällen und den Emissionen in die Atmosphäre wird die Nachhaltigkeit einer Refit-Werft auch anhand ihres Energieverbrauchs bewertet – sowohl des Stromverbrauchs als auch gegebenenfalls des Verbrauchs von Erdgas oder Dieselkraftstoff zum Heizen. Der Strombedarf der eigentlichen Refit-Arbeiten macht in der Regel nur einen Bruchteil des Energieverbrauchs aus, der durch die Bordanlagen einer Yacht mit an Bord lebender Crew verursacht wird. Viele gehen davon aus, dass die Besatzung während eines Refits die Yacht verlässt. Tatsächlich ist jedoch meist das Gegenteil der Fall. Die Crew bleibt häufig selbst dann an Bord, wenn die Yacht bereits an Land steht, und verlässt sie erst, wenn bestimmte Arbeiten – etwa umfangreiche Lackierungen oder Eingriffe in den Crewbereich – dies unumgänglich machen. Daraus folgt, dass Werften den Stromverbrauch selbst nur begrenzt reduzieren können. Sie können jedoch sehr viel dazu beitragen, den CO₂-Fußabdruck dieses Energieverbrauchs deutlich zu verringern.
Zunächst können Werften Photovoltaikanlagen – in der Regel auf den Dächern ihrer Werkshallen – installieren, um den Strombezug aus dem öffentlichen Netz zu reduzieren. Für den weiterhin aus dem Netz bezogenen Strom können sie sogenannte Herkunftsnachweise erwerben, die bestätigen, dass die gelieferte Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen stammt. In Italien werden diese Herkunftsnachweise vom GSE (Gestore dei Servizi Energetici, die italienische Energieagentur für Förder- und Herkunftsnachweise) ausgestellt. Eine solche Zertifizierung schützt die Werft wirksam vor dem Vorwurf des Greenwashings.
Auch zur Verringerung des Verbrauchs von Erdgas oder Dieselkraftstoff für die Beheizung können Werften viel beitragen. In erster Linie sollten die Werkshallen über eine wirksame Wärmedämmung verfügen, um Wärmeverluste zu minimieren. Dies ist selbstverständlich nicht möglich, wenn die Werft überwiegend mit Schrumpffolienabdeckungen arbeitet. Das Beheizen einer Yacht unter einem Schrumpffolien-Cocoon erfordert enorme Energiemengen, die nahezu unmittelbar an die Umgebung verloren gehen. Man bedenke, dass Schrumpffolie weniger als einen halben Millimeter dick ist. Ihre wärmedämmenden Eigenschaften sind praktisch gleich null.
Vorausgesetzt, die Werft verfügt über ausreichend gedämmte Hallen, wäre der Einsatz hocheffizienter Wärmepumpen die beste Lösung – idealerweise betrieben mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen.
Da die Besatzungen während der gesamten Refit-Phase an Bord bleiben, muss die Werft auch das anfallende Grau- und Schwarzwasser der Yacht bewirtschaften. Wie viele Werften verfügen über Sammelsysteme für Abwasser – sowohl für Yachten am Kai als auch für an Land abgestellte Einheiten? Bei an Land stehenden Yachten werden häufig mobile Auffangbehälter unter dem Rumpf aufgestellt, die regelmäßig von Saugfahrzeugen geleert werden. Deutlich sinnvoller wäre jedoch ein unterirdisches Sammelnetz, das die Abwässer entweder in einen zentralen Speicher oder direkt in das öffentliche Kanalnetz leitet.
Dabei handelt es sich keineswegs um geringe Mengen. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat Cantiere Rossini rund eine halbe Million Liter Grau- und Schwarzwasser gesammelt und fachgerecht entsorgt.
Von „Zero-Waste-Refit-Werften“ zu sprechen, entspricht daher nicht der Realität. Abfälle sind ein unvermeidbarer Bestandteil von Wartungs- und Refit-Arbeiten. Was Refit-Werften jedoch tun können – und tun sollten –, ist, Verfahren einzuführen, die das Abfallaufkommen reduzieren und gleichzeitig eine möglichst effiziente und umweltgerechte Bewirtschaftung und Entsorgung gewährleisten.
Eine wichtige Unterstützung bietet dabei die Einführung der Verfahren einer ISO-14001-Zertifizierung für Umweltmanagement, die für jede Refit-Werft empfehlenswert wäre. Ebenso sollten Eigner, Kapitäne und Yachtmanager bei der Auswahl einer Werft für das nächste Refit ihres Schiffes neben dem wirtschaftlichen Angebot auch diese Aspekte berücksichtigen. Nicht alle Werften widmen der Abfallbewirtschaftung und ganz allgemein der ökologischen Nachhaltigkeit die gleiche Aufmerksamkeit.
Es wäre schließlich paradox, von nachhaltigem Yachtsport zu sprechen, ohne die langen Zeiträume zu berücksichtigen, die Yachten während der Wintermonate für Wartungs- und Refit-Arbeiten in den Werften verbringen.
Alfonso Postorino