Ronnie Wang: Hainan will sich zu einem Yachting-Hub im asiatisch-pazifischen Raum entwickeln

14/09/2026 - 06:46 in Häfen & Marinas by Press Mare

Ein Yachting-Hub im Süden Chinas, ein Netzwerk von Destinationen, das den asiatisch-pazifischen Raum miteinander verbindet, und eine neue Generation chinesischer Yachteigner: Dies sind die zentralen Elemente hinter der Entwicklung der Clear Water Bay Marina auf Hainan.

PressMare traf Ronnie Wang, Senior Consultant & Director of International Business der Hainan Yaqing International Clear Water Bay Marina und Deputy Secretary der Sanya Cruises and Yachts Association, beim Cannes Yachting Festival 2026.

Seit drei Jahren ist Wang an der Neuentwicklung der Marina beteiligt. Ziel ist es, Sanya als internationale Yachting-Destination zu etablieren und mit anderen wichtigen Yachting-Hubs im asiatisch-pazifischen Raum zu vernetzen.

PM - Beginnen wir mit der Hainan Yaqing International Clear Water Bay Marina. Wie entwickelt sich das Projekt?

RW - Das Projekt geht auf etwa 15 Jahre zurück und wurde ursprünglich von einem französischen Architekten entworfen. Vor drei Jahren hat ein neuer Eigentümer übernommen und ein umfassendes Entwicklungsprogramm gestartet. Wir haben das Clubhaus neu gebaut, ein Kunstzentrum in ein Boutique-Hotel umgewandelt und einen Veranstaltungsort für Events und Aufführungen auf internationalem Niveau geschaffen.

Clear Water Bay liegt in einem Tourismusgebiet, umgeben von Stränden und hochwertigen Hotels. Dazu gehört auch ein neues, auf Tauchsport ausgerichtetes Hotel, das voraussichtlich bis Ende des Jahres eröffnet wird. Die Marina verfügt derzeit über 300 Liegeplätze, verteilt auf das Hauptbecken und einen 2,2 Kilometer langen Kanal. Die nächste Entwicklungsphase ist bereits in Planung.

Ronnie Wang

PM - Welche Bedeutung hat Hainans Status als Freihandelshafen für den Yachting-Sektor?

RW - Hainans Status als Freihandelshafen eröffnet auch für den Freizeitbootsektor neue Möglichkeiten. Es gibt Vergünstigungen bei den Einfuhrzöllen und in bestimmten Fällen können Yachten bereits ohne Einfuhrsteuer erworben werden, auch wenn dies derzeit auf Schiffe beschränkt ist, die für gewerbliche Aktivitäten bestimmt sind.

Über die Sanya Cruises and Yachts Association, bei der ich als Deputy Secretary tätig bin, arbeiten wir außerdem daran, die Entwicklung des Bootssports in der gesamten Region zu unterstützen.

PM - Warum kann Sanya eine besondere Rolle bei der Entwicklung des Yachtings in China spielen?

RW - Sanya ist die südlichste Stadt der Insel und eine ganzjährig attraktive tropische Destination mit Stränden und zahlreichen Buchten: ideale Voraussetzungen für den Boots- und Yachtsport. In der Vergangenheit fanden hier bereits bedeutende internationale Segelveranstaltungen statt.

Die Regierung möchte den Segelsport weiterentwickeln, und wir arbeiten an Plänen mit einem Zeithorizont von zehn bis zwanzig Jahren. Dabei geht es unter anderem um Visaerleichterungen und die Möglichkeit, internationale Sportveranstaltungen anzuziehen.

Hongkong bleibt dabei ein wichtiger Maßstab: Es verfügt über eine ausgeprägte Segeltradition, ganzjährig gute Windbedingungen, zahlreiche Inseln und die Unterstützung der lokalen Regierung, wodurch bedeutende internationale Veranstaltungen angezogen werden konnten.

PM - Sollte Hainan für sich betrachtet werden oder als Teil eines größeren regionalen Systems?

RW - Wir müssen die gesamte Region betrachten. Dazu gehört die Greater Bay Area mit Hongkong, Macau und Städten wie Guangzhou und Shenzhen. Insgesamt leben dort etwa 70 bis 80 Millionen Menschen.

Hainan liegt in unmittelbarer Nähe und ist ein Freihandelshafen. Deshalb sollte Südchina als ein großes zusammenhängendes Ökosystem betrachtet werden, fast wie eine „Yacht Free Travel Zone“. Die Regierungen von Hongkong, Guangdong und Hainan haben ein starkes Interesse an der Entwicklung der maritimen Industrie und der Aktivitäten rund um die Waterfront. Diese schaffen Tourismus, Hotellerie, Konsumausgaben und Duty-free-Shopping. Marinas bilden die Infrastruktur, die all diese Bereiche miteinander verbindet.

PM - Geht das Ziel der Clear Water Bay Marina also über die chinesische Inlandsnachfrage im Yachting hinaus?

RW - Absolut. Sanyas Ziel ist es, eine internationale Destination zu werden. Zunächst müssen wir jedoch die Infrastruktur und Dienstleistungen entwickeln, die notwendig sind, um mehr internationale Besucher empfangen zu können.

Yachting ist ein wirkungsvolles Instrument, um eine kaufkräftige Klientel anzuziehen, die die Destination direkt auf dem Seeweg erreichen kann. In diesem Jahr haben wir beispielsweise einen Anstieg der Besucher aus Russland festgestellt, insbesondere aus dem russischen Fernen Osten.

PM - Was ist konkret erforderlich, damit die Destination wirklich international wird?

RW - Die physische Infrastruktur allein reicht nicht aus. Sie muss in der Lage sein, internationale Superyachten, Segler und Yachteigner zu empfangen. Gleichzeitig muss auch das Marina-Management internationaler werden.

Aus diesem Grund haben wir uns für das Gold Anchor Scheme der The Yacht Harbour Association (TYHA) beworben, um unseren Betrieb noch stärker an internationalen Managementstandards auszurichten.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Ausbildung. Universitäten und Hochschulen arbeiten mit internationalen Akademien zusammen, um jungen Menschen eine professionelle Ausbildung speziell für die Yachting- und Kreuzfahrtbranche anzubieten.

Regierung und Industrie verfolgen gemeinsam das Ziel, Sanyas Position als Yachting-Hub im asiatisch-pazifischen Raum weiter zu stärken.

Filippo Ceragioli

 

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