Bloomberg: Consob fordert Ferretti nach Auftragsrückgang zur Überprüfung der Vermögenswerte auf

15/09/2026 - 05:55 in Editorial by Press Mare

Die Consob, die Commissione Nazionale per le Società e la Borsa (italienische Börsen- und Finanzmarktaufsichtsbehörde), soll Ferretti SpA um eine Reihe von Erläuterungen zu den Bewertungen gebeten haben, die der Konzern hinsichtlich des Wertes der in der Bilanz ausgewiesenen Vermögenswerte vorgenommen hat. Hintergrund ist die Abwärtskorrektur der Prognosen für das Geschäftsjahr. Consob ist die unabhängige italienische Behörde für die Regulierung und Überwachung der Finanzmärkte. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Aufsicht über börsennotierte Unternehmen, die Transparenz der Märkte und der Schutz der Anleger. Dies berichtet Bloomberg, das nach eigenen Angaben ein Schreiben eingesehen hat, das die Behörde am 10. September an Ferretti geschickt hat. Nach Angaben der US-amerikanischen Finanznachrichtenagentur betrifft die Anfrage insbesondere die Analysen, auf deren Grundlage Ferretti zu dem Schluss gekommen war, dass zum Ende des ersten Halbjahres keine Anzeichen für eine Wertminderung vorlagen, die einen Impairment-Test erforderlich gemacht hätten.

Ein Impairment-Test ist ein bilanzielles Prüfverfahren, mit dem ein Unternehmen feststellt, ob der Buchwert bestimmter Vermögenswerte angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und der Geschäftsaussichten weiterhin erzielbar ist. Liegt der erzielbare Betrag unter dem bilanzierten Wert, wäre eine Wertberichtigung erforderlich, die sich entsprechend auf den Jahresabschluss auswirken würde. Laut Bloomberg soll Consob unter den zu berücksichtigenden Faktoren den Rückgang der Auftragseingänge und die Senkung der Guidance genannt haben, also der vom Unternehmen für das Geschäftsjahr formulierten wirtschaftlichen und finanziellen Prognosen.

Die Anfrage der Aufsichtsbehörde soll sich jedoch nicht auf die Bewertung der Vermögenswerte beschränken. Bloomberg berichtet, dass Consob auch eine Aktualisierung zur Auftragsentwicklung verlangt habe, einschließlich Informationen über mögliche Stornierungen, Aussetzungen oder Verzögerungen. Ferretti hatte Ende Juli für das erste Halbjahr einen Rückgang der Auftragseingänge um 27 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gemeldet und dies mit dem zunehmenden Wettbewerb sowie längeren Entscheidungsprozessen auf Kundenseite begründet. CEO Stassi Anastassov hatte die Situation in erster Linie als kommerzielle und nicht als finanzielle Herausforderung bezeichnet und dabei auf eine Netto-Cash-Position von 95 Millionen Euro zum 30. Juni verwiesen.

Ein weiterer Punkt der Consob-Anfrage soll den Nahen Osten betreffen. Laut dem von Bloomberg eingesehenen Dokument habe die Behörde Ferretti um Informationen über mögliche Vertriebsvereinbarungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten gebeten. Bei der Veröffentlichung der Ergebnisse im Juli hatte der Konzern einige Verzögerungen bei Vertragsabschlüssen im Nahen Osten auf geopolitische Spannungen zurückgeführt. Erst vor wenigen Tagen erklärte Anastassov während der Pressekonferenz auf dem Cannes Yachting Festival 2026, dass er mit den Ergebnissen des ersten Halbjahres nicht zufrieden sei, und bezeichnete die kommerzielle Erholung in der zweiten Jahreshälfte als eine der Prioritäten des neuen Managements.

Die US-amerikanische Nachrichtenagentur weist außerdem darauf hin, dass die Ferretti-Aktie seit Jahresbeginn rund 5 % an Wert verloren hat, wodurch die Marktkapitalisierung des Konzerns auf knapp unter eine Milliarde Euro gesunken ist. Bloomberg fügt hinzu, dass weder Ferretti noch Consob die Nachricht kommentieren wollten und dass die in Forlì ansässige Gruppe die von der Aufsichtsbehörde angeforderten Informationen innerhalb von zehn Arbeitstagen nach Erhalt des Schreibens vorlegen muss.

 

Copyright © 2022 Pressmare All Rights Reserved