Idea Piscine: Der Pool ist kein Accessoire, sondern Teil des Yachtprojekts

18/09/2026 - 11:00 in Tauchen by Press Mare

Der Transfer von Kompetenzen aus dem Wohnbereich in den Yachtbau erscheint nur auf den ersten Blick unmittelbar. Ein an Bord installierter Pool muss Bewegungen, Vibrationen, Beschleunigungen, begrenzte Technikräume, Gewichtsvorgaben und die spezifischen Anforderungen des Yachtbaus berücksichtigen - ein Umfeld, das keine Abkürzungen zulässt. Für Idea Piscine, das seine Erfahrung mit maßgeschneiderten Anlagen für den hochwertigen privaten Wohnbereich aufgebaut hat, bedeutete der Einstieg in den Yachtbau, eine bereits konsequent auf individuelle Lösungen ausgerichtete Planungsmethode an ein Umfeld anzupassen, in dem schlichtweg nichts standardisiert ist. Mit CEO Emanuele Battistini haben wir über diesen Übergang und über die zunehmende Bedeutung von Pools und Wellnessbereichen bei der Planung großer Yachten gesprochen.

Emanuele Battistini, CEO von Idea Piscine

PressMare - Idea Piscine kommt ursprünglich aus dem hochwertigen privaten Wohnbereich. Wann haben Sie erkannt, dass sich das bei maßgeschneiderten Pools erworbene Know-how auch auf den Yachtbau und insbesondere auf Superyachten übertragen lässt?

Emanuele Battistini - Es war eine natürliche Entwicklung. Im Laufe der Jahre haben wir umfassende Kompetenzen in der Planung und Realisierung stark individualisierter Pools aufgebaut, bei denen jedes Projekt aus spezifischen Anforderungen und einem kontinuierlichen Dialog mit Bauunternehmen, Architekten und Designern entsteht. Wir haben erkannt, dass sich dieser Ansatz - maßgeschneiderte Lösungen in Verbindung mit der Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen - sehr gut auf die Welt der Superyachten übertragen lässt, wo Standardlösungen nicht existieren und jedes Detail höchste Präzision erfordert.

PM - Einen Pool für eine private Villa zu bauen und einen Pool an Bord zu planen, scheint zunächst ähnlich zu sein, doch Rahmenbedingungen und Anforderungen unterscheiden sich grundlegend. Was war die größte Herausforderung beim Einstieg in den Yachtbau?

EB - Die Planungsperspektive vollständig umzukehren. Im Wohnbereich arbeiten wir mit statischen Strukturen; an Bord hingegen ist alles Bewegungen, Vibrationen und kontinuierlichen Belastungen ausgesetzt. Der verfügbare Raum wird auf ein Minimum reduziert und jede Komponente muss im Hinblick auf die maritime Umgebung neu gedacht werden - von der Struktur über die technischen Anlagen bis hin zu den Befestigungssystemen. Wir mussten unser Know-how um spezifische Kompetenzen aus dem Yachtbau ergänzen, ohne dabei Kompromisse bei den qualitativen und ästhetischen Standards einzugehen, die unsere Arbeit kennzeichnen.

PM - Heute wünschen sich Eigner zunehmend ein „wohnliches“ Erlebnis auch an Bord. Inwieweit ist der Pool zu einem integralen Bestandteil des Lebensstils geworden, den eine Superyacht bieten soll?

EB - Der Pool ist schon lange kein rein szenografisches Element mehr: Er ist ein Bereich für Wohlbefinden, Entspannung und Geselligkeit und damit ein integraler Bestandteil des Lebens an Bord. Eigner möchten auf ihrer Yacht denselben Komfort erleben wie in einer hochwertigen Residenz. Dies führt zu immer anspruchsvolleren Wellnessbereichen. Man denke nur an die kompletten Wellnesskonzepte, die heute an Bord geplant werden, mit Saunen, Hammams, Erlebnisduschen sowie Behandlungs- und Massageräumen.

PM - In der Welt der Superyachten zählt jeder Zentimeter und kaum etwas ist standardisiert. Wie verändert sich Ihr Ansatz bei unregelmäßigen Räumen, besonderen Geometrien und strukturellen Einschränkungen?

EB - Genau das entspricht unserer Arbeitsweise. Wir sind es gewohnt, vom vorhandenen Raum auszugehen und nicht von einem vordefinierten Produkt. Im Yachtbau wird dies noch wichtiger, ich würde sogar sagen unverzichtbar: Jedes Volumen muss optimiert, jede Form sorgfältig untersucht und jedes Detail mit dem General Arrangement der Yacht abgestimmt werden. Ziel ist ein Pool, der vollständig in die Architektur der Yacht integriert ist und gleichzeitig sowohl die gewünschten ästhetischen Standards als auch die technischen Anforderungen der Anlage erfüllt.

PM - Wie wichtig ist der Dialog mit Naval Designern, Interior Designern und den technischen Abteilungen der Werften, um einen Pool zu integrieren, ohne Gewicht, Volumen und Stabilität der Yacht zu beeinträchtigen?

EB - Er ist entscheidend. Ein Projekt dieser Art kann nur durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit aller beteiligten Fachleute erfolgreich umgesetzt werden. Der Pool beeinflusst ästhetische, strukturelle und anlagentechnische Aspekte. Deshalb beginnt der Austausch mit Planern, Designern und technischen Abteilungen bereits in den ersten Entwicklungsphasen. Unsere Aufgabe besteht darin, das bestmögliche Gleichgewicht zwischen Design, Funktionalität, Sicherheit und technischer Machbarkeit zu finden und dabei unsere Erfahrung und unser Know-how einzubringen.

PM - Gab es ästhetische oder planerische Anforderungen, die zunächst kaum realisierbar erschienen, die Sie aber dennoch in eine konkrete Lösung umsetzen konnten?

EB - Designer schlagen häufig sehr ambitionierte Lösungen mit besonderen Geometrien, visuellen Effekten oder komplexen Integrationen vor. Unser Ansatz besteht darin, niemals mit einem „Das geht nicht“ zu beginnen, sondern nach einem Weg zu suchen, wie sich die Idee realisieren lässt. Durch Planung, Materialforschung und die Entwicklung spezifischer Lösungen konnten wir Pools umsetzen, die anfangs äußerst schwierig zu realisieren schienen, und dabei sowohl die ursprüngliche Designidee als auch die technischen Anforderungen des Yachtbaus erfüllen.

PM - Im Superyacht-Segment werden die Grenzen zwischen Pool, Spa, Beach Club und Wellnessbereich zunehmend fließend. Beobachten Sie eine stärkere Verbindung zwischen diesen unterschiedlichen Bereichen?

EB - Absolut. Heute werden vollständig integrierte Wellnessbereiche geplant, in denen Pools, Whirlpools, Relaxzonen, Wasserspiele und Beach Clubs miteinander interagieren. Es handelt sich nicht mehr um voneinander getrennte Elemente, sondern um ein einheitliches sensorisches Erlebnis. Diese Entwicklung erfordert spezifische Kompetenzen und einen multidisziplinären Planungsansatz, bei dem Technologie, Design und Komfort harmonisch miteinander verbunden werden müssen.

PM - Gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Anforderungen europäischer, nahöstlicher und amerikanischer Eigner?

EB - Jeder Markt hat seine eigenen Besonderheiten und interpretiert den Pool an Bord entsprechend dem Stil, den Anforderungen und der Philosophie des jeweiligen Projekts unterschiedlich. Unabhängig von den geografischen Unterschieden gibt es jedoch einen gemeinsamen Faktor: die Nachfrage nach exklusiven, zuverlässigen und vollständig maßgeschneiderten Lösungen.

PM - Ein auf einer Yacht installierter Pool muss Beschleunigungen, Vibrationen, wechselnde Lastzustände und kontinuierliche Bewegungen bewältigen. Wie wird eine Poolanlage für diese Bedingungen neu konzipiert?

EB - Die Ausgangsvoraussetzungen unterscheiden sich grundlegend von denen eines herkömmlichen Pools. Jede Komponente wird unter Berücksichtigung der für die Navigation typischen dynamischen Belastungen entwickelt: Es werden spezifische Struktursysteme ausgelegt, für die maritime Umgebung geeignete Materialien ausgewählt und Anlagen entwickelt, die auch unter wechselnden Bedingungen eine hohe Leistungsfähigkeit gewährleisten. Es handelt sich um einen integrierten Engineering-Prozess, der einen kontinuierlichen Austausch mit der Werft und allen beteiligten technischen Fachleuten erfordert.

PM - Welches sind heute die wichtigsten technischen Herausforderungen hinsichtlich der Sicherheit eines Pools an Bord einer Superyacht?

EB - Sicherheit hat absolute Priorität und umfasst zahlreiche Aspekte: das korrekte Wassermanagement während der Fahrt, die strukturelle Stabilität des gesamten Systems sowie die Sicherheit der Anlagen und aller Komponenten, die mit dem Wasser in Kontakt kommen. Hinzu kommen der Einsatz zertifizierter und für die maritime Umgebung geeigneter Materialien, die Planung zuverlässiger, effizienter und leicht zu wartender Systeme sowie die Einhaltung der von Klassifikationsgesellschaften und internationalen Vorschriften vorgegebenen Standards. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, Sicherheit, Leistung und Ästhetik miteinander zu verbinden, ohne dass einer dieser drei Aspekte die anderen dominiert.

Technikraum mit einer Anlage von Idea Piscine

PM - Welchen Einfluss haben Materialien, Oberflächenbehandlungen und Filtersysteme auf Lebensdauer und Zuverlässigkeit eines Pools in maritimer Umgebung?

EB - Einen entscheidenden. Die maritime Umgebung ist äußerst aggressiv und erfordert Materialien, die gezielt aufgrund ihrer Beständigkeit gegen Korrosion, Salzwasser, Feuchtigkeit und kontinuierliche mechanische Belastungen ausgewählt werden. Auch Oberflächenbehandlungen und Filtersysteme spielen eine zentrale Rolle: Sie gewährleisten die Wasserqualität und langfristige Zuverlässigkeit, reduzieren den Wartungsaufwand und erhalten die Leistungsfähigkeit der Anlage über viele Jahre hinweg.

PM - Welche Unterschiede bestehen zwischen einem für Süßwasser ausgelegten Pool und einer Anlage, die mit Meerwasser betrieben werden soll?

EB - Erhebliche. Meerwasser erfordert spezifische Lösungen sowohl bei den Materialien als auch bei der Konfiguration der Anlagen: Komponenten, Dichtungen, Aufbereitungssysteme und hydraulische Kreisläufe müssen einer höheren chemischen Aggressivität und hohen Salzkonzentrationen standhalten. Das Ziel bleibt jedoch dasselbe: die gleiche Qualität des Nutzungserlebnisses zu gewährleisten, ohne Abstriche bei Zuverlässigkeit und Lebensdauer zu machen.

PM - Kommt es vor, dass ein Eigner an Bord dieselben Eindrücke und Atmosphären schaffen möchte wie in seiner privaten Residenz?

EB - Immer häufiger. Viele Eigner möchten an Bord dieselbe Designsprache, dieselben Materialien sowie jenes Gefühl von Komfort und Wohlbefinden wiederfinden, das ihre private Residenz prägt. In einigen Fällen wird das Yachtprojekt beinahe zu einer natürlichen Erweiterung des Wohnhauses, mit einer starken gestalterischen Kontinuität zwischen beiden Umgebungen. Designer sind dabei das entscheidende Bindeglied zwischen den Vorstellungen des Eigners und ihrer konkreten Umsetzung. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Vision in einen völlig anderen Kontext - den Yachtbau - zu übertragen, in dem jede Entscheidung sehr spezifischen technischen, strukturellen und funktionalen Anforderungen unterliegt. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Identität des Projekts und die vom Eigner gewünschten Eindrücke unverändert zu bewahren und sie gleichzeitig in eine technisch zuverlässige, vollständig integrierte und für das Leben an Bord geeignete Lösung zu übersetzen.

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