Alberto Galassi, CEO Ferretti Group

Alberto Galassi, CEO Ferretti Group

Ferretti, der Verwaltungsrat weist das KKCG-Übernahmeangebot zurück

Editorial

13/03/2026 - 07:56

 

Die Diskussion über die zukünftige Eigentümerstruktur der Ferretti Group tritt in eine deutlichere Phase ein. Mit drei gestern spät am Abend veröffentlichten Mitteilungen hat die Gruppe bekannt gegeben, dass der Verwaltungsrat das Response Document zur freiwilligen teilweisen öffentlichen Übernahmeofferte genehmigt hat, die von KKCG Maritime, dem Vehikel der Gruppe des tschechischen Unternehmers Karel Komárek, gestartet wurde.

Das Dokument, das durch die Übernahmeregelungen vorgeschrieben ist und gemäß Artikel 103 des italienischen Finanzmarktgesetzes sowie dem Hong Kong Takeovers Code veröffentlicht wurde, enthält die offizielle Position der Gesellschaft zur Transaktion.

Die Bewertung des Verwaltungsrats ist eindeutig: Das Angebot wird aus finanzieller Sicht nicht als angemessen betrachtet und gilt für die unabhängigen Aktionäre nicht als fair oder angemessen.

Der Verwaltungsrat von Ferretti trat am 12. März 2026 zusammen und genehmigte das Response Document mit der Enthaltung von Piero Ferrari und dem Chief Executive Officer Alberto Galassi, während Stefano Domenicali entschuldigt abwesend war.

Der Verwaltungsrat teilte die Bewertungen sowohl des Independent Board Committee als auch des unabhängigen Finanzberaters Altus Capital, der die Bedingungen der Transaktion analysiert hat.

Das Ergebnis war die Empfehlung an die unabhängigen Aktionäre, das Angebot nicht anzunehmen.

Das von KKCG Maritime gestartete Übernahmeangebot betrifft bis zu 52.132.861 Aktien, entsprechend 15,4% des Aktienkapitals von Ferretti, zu einem Preis von 3,50 Euro je Aktie (cum dividend).

Den im Response Document dargestellten Analysen zufolge führten mehrere Faktoren dazu, dass der Verwaltungsrat das Angebot als nicht angemessen beurteilt.

Zu den wichtigsten Punkten gehören: Der angebotene Preis liegt unter dem in den letzten Handelssitzungen festgestellten Marktpreis; die implizite Bewertung erscheint nicht mit den Multiplikatoren vergleichbarer Unternehmen übereinzustimmen; die Transaktion würde es dem Bieter ermöglichen, seine Beteiligung deutlich zu stärken, ohne den Aktionären einen vollständigen Ausstieg aus dem Kapital zu ermöglichen.

Der unabhängige Berater hat zudem hervorgehoben, dass das Angebot zwar eine gewisse Preissicherheit für einen Teil der Aktien bietet, die Investoren jedoch mit einer Restbeteiligung zurücklassen würde, die möglichen Auswirkungen einer geringeren Liquidität und einer höheren Kursvolatilität ausgesetzt ist.

Ein weiterer Bewertungsfaktor betrifft die mögliche Entwicklung der Governance der Gruppe.

Das Response Document hebt hervor, dass der Bieter im Falle eines Erfolgs des Angebots eine Beteiligung erreichen könnte, die einen erheblichen Einfluss auf die strategische Ausrichtung der Gesellschaft ermöglicht, ohne jedoch ein vollständiges Übernahmeangebot zu unterbreiten.

Hinzu kommt, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Dokuments weder KKCG noch der Mehrheitsaktionär die Kandidaten für die Erneuerung des Verwaltungsrats bekannt gegeben hatten, wodurch ein gewisses Maß an Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Governance-Struktur entsteht.

Dem im Dokument angegebenen Zeitplan zufolge beginnt die Annahmefrist am 16. März 2026; das Ende ist für den 13. April 2026 vorgesehen, vorbehaltlich möglicher Verlängerungen; die Zahlung des Angebotspreises ist bis zum 20. April 2026 vorgesehen.

Es handelt sich somit um einen Prozess, der sich in den kommenden Wochen entwickeln wird und erhebliche Auswirkungen auf die Eigentumsverhältnisse der Gesellschaft haben könnte.

In seinen Bewertungen hat der Verwaltungsrat zudem hervorgehoben, dass die Gruppe solide operative und finanzielle Ergebnisse sowie positive mittel- bis langfristige Perspektiven aufweist, die durch die Entwicklung des Marktes für High-End-Yachten unterstützt werden.

Die Stellungnahme des Verwaltungsrats beendet selbstverständlich nicht die Diskussion über die zukünftige Eigentümerstruktur der Gruppe.

Das Übernahmeangebot von KKCG stellt einen der Schritte in einer Phase dar, in der das Kapital von Ferretti das Interesse verschiedener internationaler Investoren auf sich zieht und in der sich die Kräfteverhältnisse zwischen den wichtigsten Aktionären in den kommenden Monaten weiterentwickeln könnten.

In diesem Kontext werden der Ausgang des Angebots und die Dynamiken zwischen den wichtigsten Aktionären entscheidend dafür sein, welche Governance sich in der nächsten Phase der industriellen Geschichte der Gruppe herausbilden wird.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung verzeichnet die Aktie an der Börse von Hongkong einen Anstieg von +7,56%.

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