KKCG-Übernahmeangebot und Governance: entscheidende Woche für die Zukunft der Ferretti Group

Editorial

07/04/2026 - 15:16
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Das KKCG-Übernahmeangebot spaltet weiterhin den Verwaltungsrat und die Aktionäre von Ferretti. Während Galassi eine abwartende Haltung einnimmt, ist Piero Ferrari bereit, seinen Anteil zu verkaufen, und Weichai nähert sich 40 %. Der Fokus verlagert sich auf die Governance im Hinblick auf die Hauptversammlung im Mai.

Die Entwicklung rund um die Beteiligungsstruktur der Ferretti Group tritt in eine zunehmend sensible Phase ein, in der sich das von KKCG Maritime lancierte Übernahmeangebot mit den internen Gleichgewichten im Verwaltungsrat sowie mit den zukünftigen Governance-Strukturen des Konzerns überschneidet.

Der Verwaltungsrat hat in seiner letzten Sitzung seine Position zum aktualisierten Angebot – 3,90 Euro je Aktie – bekräftigt, das weiterhin als finanziell nicht angemessen und für die unabhängigen Aktionäre als nicht fair bewertet wird. Diese Einschätzung wird vom Mehrheitsaktionär Weichai Group geteilt, der mit einem Anteil von nahezu 40 % das Angebot von Karel Komárek über KKCG Maritime weiterhin ablehnt.

Neben der formalen Haltung des Verwaltungsrats zeigt sich jedoch eine deutliche Spaltung. Auf der einen Seite steht das von Weichai und der Mehrheit des Boards vertretene Lager, auf der anderen eine Gruppe, die dem Angebot positiv gegenübersteht. Zu letzterer zählen Piero Ferrari und Stefano Domenicali, die in der letzten Sitzung gegen die Linie des Verwaltungsrats gestimmt und damit faktisch die Angemessenheit des neuen Preises unterstützt haben.

Eine differenziertere Position nimmt CEO Alberto Galassi ein, der sich sowohl bei der ersten als auch bei der zweiten Offerte enthalten hat. Diese formale Neutralität steht jedoch in einem nicht neutralen Kontext: Galassi ist auch familiär mit Piero Ferrari verbunden und führt das Unternehmen operativ seit 2014. Damit nimmt er eine Schlüsselrolle ein, insbesondere im Hinblick auf die anstehende Neubesetzung der Unternehmensführung.

In diesem Zusammenhang ist die Entscheidung von Ferrari, seinen Anteil bis zum 13. April an Komárek zu verkaufen, von besonderer Bedeutung. Dieser Schritt würde die Position des tschechischen Unternehmers stärken und ihn in Richtung 20 % des Kapitals führen. Gleichzeitig bringt er jedoch auch eine strategische Komplexität mit sich: Durch den direkten Erwerb der Anteile könnte KKCG einen potenziellen Verbündeten in der Hauptversammlung verlieren – sowohl in quantitativer Hinsicht als auch hinsichtlich des symbolischen Gewichts des Namens Ferrari innerhalb des Konzerns.

Die Rolle von Piero Ferrari geht weit über seine Beteiligung von 4,6 % hinaus. Als Ehren-Vizepräsident des Konzerns leitet er zudem das Product Strategy Committee, das gemeinsam mit Engineering und Marketing die Produktstrategien, technischen Anforderungen und Markteinführungszeiten der Marken Ferretti Yachts, Riva, Pershing, Itama, CRN, Custom Line und Wally definiert. Eine zentrale strategische Funktion, die infrage gestellt werden könnte, falls die Kontrolle weiterhin fest in den Händen von Weichai bleibt.

Die aktuelle Aktionärsstruktur – ohne Berücksichtigung des laufenden Übernahmeangebots – zeigt ein komplexes Gleichgewicht. Neben Weichai (~39,25 %) und KKCG Maritime (~14,5 %) gehören Danilo Iervolino (~5,2 %), Piero Ferrari (~4,6 %), die Familie Bombassei (~2 %), der kuwaitische Investor Bader Nasser Al-Kharafi (~3 %) sowie Biglari Holdings (~3,4 %) dazu, zusätzlich zum überwiegend in Mailand gehandelten Streubesitz. Die zentrale Frage lautet: Wer steht auf welcher Seite? Welche Allianzen haben sich gebildet? Und wie werden die Minderheitsaktionäre auf das Angebot reagieren?

Diese Struktur stellt eines der zentralen Elemente der aktuellen Entwicklung dar und zeigt, dass es nicht nur um das Erreichen einer bestimmten Beteiligungsschwelle geht, sondern um den Aufbau einer stabilen Mehrheit in der Hauptversammlung.

Die Zusammensetzung des Verwaltungsrats spiegelt dieses Gleichgewicht wider. Unter dem Vorsitz von Hao Qinggui gehören dem Board neben Galassi auch Tan Ning, Jin Zhao, Zhu Yi, Patrick Sun und Jiang Lan an, die dem Einflussbereich von Weichai zuzurechnen sind, sowie die unabhängigen Mitglieder Stefano Domenicali und Piero Ferrari. Diese Konstellation verdeutlicht, dass das Entscheidungszentrum derzeit bei der chinesischen Seite liegt, während eine qualifizierte Minderheit weiterhin Einfluss auf strategische Entscheidungen ausüben kann.

Im Hinblick auf das Übernahmeangebot bleiben die Zahlen bislang begrenzt. Zum 2. April beliefen sich die angedienten Aktien auf 354.036 Stück, entsprechend 0,679103 % der angebotenen Titel. Dieser Wert ist derzeit jedoch nur begrenzt aussagekräftig, da sich solche Transaktionen häufig erst in der Schlussphase konkretisieren. Entscheidender für die Aktionäre ist die Kursentwicklung: In Mailand erreichte die Aktie 4,10 Euro (Marktkapitalisierung rund 1,49 Milliarden Euro), während sie in Hongkong über 41 HKD (Höchststand 41,18) stieg – deutlich über dem Angebotspreis von KKCG und somit weniger attraktiv für Investoren.

Die nächsten Etappen sind bereits festgelegt: Am 13. April endet das Übernahmeangebot; am 17. April müssen die Listen für die Neubesetzung des Verwaltungsrats eingereicht werden, einschließlich der Kandidatur für den CEO-Posten; und am 14. Mai findet die Hauptversammlung statt, die über die zukünftige Governance des Konzerns entscheidet.

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