Straße von Hormus: Was die Krise für Superyachten bedeutet
Straße von Hormus: Was die Krise für Superyachten bedeutet
Die Schließung der Straße von Hormus ist kein theoretisches Risiko mehr, das in Präsentationen erwähnt wird, sondern eine operative Realität für die Handelsschifffahrt und zunehmend auch für die Superyacht-Branche. Die jüngste Eskalation zwischen Iran, den USA und Israel hat einen der strategisch wichtigsten maritimen Engpässe der Welt in ein Hochrisikogebiet verwandelt, mit direkten Auswirkungen auf Betrieb, Versicherung und Vertragsgestaltung im gesamten Golfraum.
Um die praktischen Folgen für Eigner, Kapitäne und Charterer zu verstehen, hat PressMare mit Menelaus Kouzoupis (MK), Partner bei Stephenson Harwood in Dubai und Leiter der Superyacht-Praxis der Kanzlei in der MENA-Region, gesprochen. Als Spezialist für See-, Handels- und Energierecht berät er Eigner, Banken, Werften und Betreiber bei komplexen Streitfällen und hochvolumigen Yachtprojekten.
Rechtlich offen, operativ geschlossen
Kouzoupis beginnt mit einer grundlegenden Unterscheidung zwischen rechtlicher Theorie und operativer Realität.
Aus rechtlicher Sicht ist die Straße von Hormus eine internationale Transitpassage. Küstenstaaten, einschließlich Iran, dürfen sie daher nicht für den internationalen Schiffsverkehr schließen, selbst im Kriegsfall. Grundsätzlich bleibt das Durchfahrtsrecht für alle Flaggenstaaten bestehen.
In der Praxis zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Nach Vergeltungsschlägen wird die Passage faktisch als geschlossen behandelt und diese Position durch Angriffe auf Schiffe durchgesetzt. Auch wenn vor allem Tanker und Handelsschiffe betroffen sind, gilt dies ebenso für Yachten: Das Risiko einer Durchfahrt in oder aus dem Golf ist derzeit äußerst hoch.
Tausende von Schiffen sind faktisch im Arabischen Golf oder in den Zufahrtsbereichen eingeschlossen, darunter zahlreiche Yachten über 60 Meter. Einige liegen in ihren Heimathäfen und sind nicht im engeren Sinne „festgesetzt“, doch derzeit existiert kein sicherer und versicherbarer Weg für Verlegungen. Dies führt zu einem Stillstand der Mobilität in einem aufstrebenden Superyacht-Hub, der zuletzt erheblich in Marinas, Infrastruktur und Routen investiert hatte.
Versicherungsschock: vom Aufschlag zur Kostenposition
Parallel hat sich der Markt für Kriegsrisikoversicherungen deutlich verändert.
Bereits vor der aktuellen Krise galt die Straße von Hormus als Hochrisikogebiet, mit entsprechenden Zuschlägen. Diese waren jedoch relativ gering und machten nur einen kleinen Anteil am Schiffswert pro Passage aus.
Heute ist die Situation eine andere: Für manche Einheiten ist es schwierig, überhaupt Deckung zu erhalten, und wenn, dann zu deutlich höheren Prämien. Für eine Yacht im Wert von 50 Millionen Euro ist aus einem überschaubaren Kostenfaktor eine relevante Position geworden; bei 200 oder 300 Millionen Euro beeinflusst dies operative Entscheidungen wie Verbleib, Verlegung oder Stilllegung.
Unterschiedliche Vertragslogiken
Die Krise verdeutlicht auch die Unterschiede zwischen kommerzieller Schifffahrt und Superyacht-Charter.
Im kommerziellen Bereich sind War-Risk-Klauseln detailliert geregelt. Sie definieren Gefahrenlagen, Entscheidungsbefugnisse des Kapitäns und Rechte der Charterer. Zeitliche Aspekte spielen dabei eine zentrale Rolle.
Im Superyacht-Segment hingegen verfügt der Kapitän über größere Ermessensspielräume. Dies erhöht die Sicherheit, wirft aber Fragen zur wirtschaftlichen Risikoverteilung auf.
Vertragswerke unter Anpassungsdruck
Viele Standardverträge im Yachting sind laut Kouzoupis nicht ausreichend auf geopolitische Risiken ausgelegt. Es fehlen häufig klare Regelungen zu Force Majeure, Vergütung und Stornierungsrechten.
Im Vergleich dazu arbeiten Kreuzfahrtunternehmen mit detaillierten Notfallplänen, klaren Vertragsrechten und strukturierten Krisenmanagementprozessen.
Navigation und Wahrnehmung
Neben rechtlichen und finanziellen Risiken treten operative Herausforderungen hinzu, insbesondere Störungen von GNSS- und GPS-Systemen. Dies zwingt Crews zu klassischen Navigationsmethoden.
Gleichzeitig beeinflusst die Krise die Wahrnehmung der Region als Luxusdestination, auch wenn langfristig weiterhin Investitionen und Entwicklung erwartet werden.
Ein globaler Sektor unter Druck
Die Ereignisse zeigen, wie schnell außergewöhnliche Umstände zur Normalität werden können. Für die Superyacht-Branche bedeutet dies eine Anpassung an neue Risikodimensionen.
Die Herausforderung besteht darin, Verträge, Versicherungen und operative Prozesse an die Realität anzupassen, ohne den Kernwert des Yachtings – Freiheit und Erlebnis – zu verlieren.
Filippo Ceragioli
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