Ferretti: KKCG zieht Weichai vor Gericht – „Die chinesischen Stimmen müssen annulliert werden“
Der Kampf um die Kontrolle der Werftengruppe verlagert sich nun in die Gerichtssäle. KKCG Maritime hat die Beschlüsse der Hauptversammlung vom 14. Mai vor dem Gericht von Bologna angefochten und deren sofortige Aussetzung beantragt. Die Argumentation ist ebenso einfach wie brisant: Die Stimmen, mit denen Weichai — der von Peking kontrollierte chinesische Konzern — seinen Verwaltungsrat durchgesetzt hat, hätten nicht gezählt werden dürfen, da sie nach den italienischen Golden-Power-Vorschriften suspendiert seien. Sollte das Gericht KKCG Recht geben, könnte die Governance von Ferretti vollständig neu geschrieben werden.
Die Klage wurde bei der spezialisierten Wirtschaftskammer des Zivilgerichts Bologna eingereicht. Gleichzeitig stellte KKCG Maritime einen Eilantrag auf sofortige Aussetzung der angefochtenen Beschlüsse bis zum Abschluss des Verfahrens.
Die juristische Argumentation ist ebenso geradlinig wie potenziell explosiv in ihren Folgen. Nach Ansicht von KKCG Maritime seien die Stimmrechte von Ferretti International Holding (FIH) — der Gesellschaft, über die Weichai 39,5 % der Ferretti-Gruppe hält — gemäß den italienischen Golden-Power-Vorschriften suspendiert, da angeblich die vorgeschriebenen Meldepflichten für Investitionen in Unternehmen mit strategischen Vermögenswerten im Bereich nationale Sicherheit und Verteidigung nicht erfüllt worden seien.
Ohne diese Stimmen, so KKCG, hätte die Hauptversammlung vom 14. Mai ein gegenteiliges Ergebnis gehabt: Nicht die Vorschläge von Weichai, sondern jene von KKCG wären angenommen worden. Deshalb fordert das Unternehmen vom Gericht eine neue Auszählung der Stimmen zu den strittigen Punkten sowie die Umsetzung der daraus resultierenden Ergebnisse — beginnend mit der Ernennung des Verwaltungsrats, der Festlegung der Vergütung der Verwaltungsratsmitglieder und der Ernennung des Aufsichtsrats.
Die Position von KKCG wird zusätzlich durch das strategische Profil von Ferretti gestützt, das mehrfach vom italienischen Ministerratspräsidium anerkannt wurde. Nach Ansicht des Unternehmens verfügen die industriellen Kapazitäten, die fortschrittlichen maritimen Technologien und das angesammelte Know-how der Gruppe über potenzielle Dual-Use-Anwendungen, die nicht auf eine einzelne Verteidigungssparte beschränkt seien, sondern die gesamte Unternehmensstruktur durchdringen.
Aus Governance-Sicht warnt KKCG Maritime davor, Ferretti weiterhin von Organen führen zu lassen, die durch Beschlüsse ernannt wurden, deren Gültigkeit nun gerichtlich angefochten wird. Dies würde erhebliche rechtliche Unsicherheit erzeugen. Das Risiko sei laut KKCG nicht nur formaler Natur: Bei sensiblen maritimen Technologien könnten unkontrollierte Zugriffe auf oder Transfers von Informationen schwer rückgängig zu machende Folgen haben.
Die Klage wirft zudem weitere Fragen zur Transparenz der Aktionärsstruktur auf. KKCG beanstandet angebliche jüngste Aktienkäufe sowie die Ausübung von Stimmrechten durch Personen oder Gesellschaften, die nach Ansicht des Unternehmens mit der Volksrepublik China oder mit FIH verbunden seien und gemeinsam bis zu rund 10 % des Ferretti-Kapitals halten würden. Laut KKCG könnten diese Akteure nicht offengelegte Vereinbarungen mit FIH geschlossen oder abgestimmt mit FIH gehandelt haben, ohne dies dem Markt mitzuteilen. Die rechtlichen Schritte betreffen außerdem den mutmaßlichen Verstoß gegen Mitteilungspflichten im Zusammenhang mit einem möglichen Aktionärspakt zwischen FIH und Adtech Advanced Technologies AG.
Die Zahlen der Hauptversammlung zeigen ein äußerst knappes Rennen. Die von FIH eingereichte Liste für den Verwaltungsrat wurde von lediglich 15 Aktionären unterstützt — die als miteinander verbunden angesehen werden — und repräsentierte 49,74 % des Kapitals. Die Liste von KKCG Maritime erhielt dagegen die Unterstützung von 164 Aktionären mit insgesamt 45,11 % des Kapitals sowie positive Empfehlungen der führenden internationalen Proxy Advisors ISS und Glass Lewis. Mit anderen Worten: eine breitere und stärker fragmentierte Unterstützungsbasis, die letztlich nur um wenige Prozentpunkte unterlag.
KKCG Maritime erklärt, im Interesse der Governance von Ferretti und aller Stakeholder zu handeln, und bekräftigt zugleich sein Vertrauen in das italienische Justiz- und Regulierungssystem. Das Unternehmen behält sich vor, weitere rechtliche und regulatorische Schritte im Zusammenhang mit der Hauptversammlung vom 14. Mai einzuleiten, und kündigte an, den Markt im Verlauf des Verfahrens weiter zu informieren. Der Konflikt hat damit gerade erst begonnen.
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