Sessa Marine startet die Sessa Classic Division. Sessa Dorado 32
Sessa Marine startet die Sessa Classic Division: das Programm zur langfristigen Werterhaltung seiner Boote
Es gab eine Zeit, in der sich der Erfolg einer Werft nahezu ausschließlich am Stapellauf messen ließ: wie viele neue Modelle, wie viele Verkäufe, wie viel Innovation präsentiert wurde. Diese Zeit ist nicht vorbei, sie hat jedoch eine neue Dimension erhalten. Gebrauchtboote gewinnen an Wert, Boote bleiben länger im Einsatz, und Nachhaltigkeit ist längst kein Werbeslogan mehr, sondern eine konkrete Fragestellung, mit der sich Eigner und Werften gemeinsam auseinandersetzen.
Vor diesem Hintergrund stellt Sessa Marine die Sessa Classic Division vor: nicht einfach einen weiteren Kundendienst, sondern einen wesentlichen Bestandteil ihrer industriellen Strategie. Technische Modernisierungen, Restyling und Refits sind in der Yachtbranche nichts Neues. Neu ist vielmehr der Blickwinkel. Sessa Marine möchte seine Boote nicht nur dann reparieren oder auffrischen, wenn es erforderlich wird, sondern sie während ihres gesamten Lebenszyklus begleiten und dabei ihre Qualitätsstandards, ihre gestalterische Identität und nicht zuletzt ihren Marktwert bewahren.
Über diese neue Initiative haben wir mit Matteo Re, Produktionsleiter von Sessa Marine, gesprochen.
PressMare – Matteo, zunächst einmal: Wie groß ist heute die Flotte von Sessa Marine?
Matteo Re – Sessa Marine blickt auf 68 Jahre Unternehmensgeschichte zurück und hat mehr als 20.000 Boote gebaut, darunter rund 8.000 Einheiten der äußerst erfolgreichen Key Largo-Baureihe. Viele dieser Boote sind noch heute auf allen Meeren der Welt unterwegs. Sie stellen ein enormes technisches und wirtschaftliches Erbe dar, das die Werft nicht mit der Auslieferung des Bootes als abgeschlossen betrachtet.
Sessa Classic wurde geschaffen, um dieser Idee eine klare Struktur zu geben. Das Programm umfasst sämtliche Maßnahmen: die Erneuerung der Innenausstattung, die Modernisierung der Bordelektronik und technischen Anlagen, Motoren-Refits, die Auffrischung der Oberflächen sowie die Integration aktueller Technologien.
PM – Wie läuft das Programm konkret ab? Welche Verfahren, Arbeiten und Kontrollen werden bei Booten durchgeführt, die in das Sessa Classic Programm aufgenommen werden?
MR – Sämtliche Arbeiten erfolgen nach von der Werft definierten Verfahren. Dabei gilt es, ein anspruchsvolles Gleichgewicht zu wahren: Das Boot auf den heutigen Stand hinsichtlich Komfort und Zuverlässigkeit zu bringen, ohne seinen ursprünglichen Charakter zu verändern. Der Vergleich mit anderen Industriezweigen liegt nahe. Zertifizierte Restaurierungsprogramme in der Automobil- oder Uhrenindustrie erhalten den Wert eines Produkts weit über das Produktionsende hinaus. Genau diesem Ansatz folgt auch Sessa Marine. Auf Wunsch werden die Arbeiten im Rahmen von Sessa Classic durch eine technische Dokumentation sowie ein offizielles Zertifikat ergänzt, das bestätigt, dass sämtliche Maßnahmen nach den Standards des Programms durchgeführt wurden.
PM – Besonders interessant erscheint mir dieses technische Dossier als Qualitätsnachweis.
MR – Gerade im Gebrauchtbootmarkt spielt dieser Aspekt eine wichtige Rolle. Ein Boot mit dokumentierter und zertifizierter Wartungshistorie bietet Käufern nicht nur mehr Transparenz, sondern besitzt in der Regel auch einen höheren Marktwert. Der Zusammenhang zwischen nachvollziehbarer Wartung und Werterhalt gewinnt im Wassersport – ebenso wie in anderen Branchen – zunehmend an Bedeutung.
PM – Hinzu kommt ein weiteres Thema, das die Branche heute nicht mehr als Nebensache betrachten kann: Nachhaltigkeit.
MR – Nachhaltigkeit gehört zu den Leitprinzipien bei der Entwicklung unserer Produkte. Unser Augenmerk richtet sich dabei in erster Linie auf die Boote, die wir heute bauen. Auch die neue Key Largo 25, die wir auf dem kommenden Internationalen Bootssalon in Genua erstmals präsentieren werden, integriert Lösungen zur Verringerung der Umweltbelastung. Dazu gehören beispielsweise Polstermaterialien, die überwiegend aus recycelten Stoffen bestehen, ebenso wie unser Fertigungsprozess. Wir setzen die Vakuuminfusionstechnologie ein, mit der sich die beim Laminieren verwendete Harzmenge präzise steuern lässt. Dadurch werden Materialverluste reduziert und gleichzeitig leichtere Strukturen geschaffen. Ein leichteres Boot benötigt weniger Leistung, um vergleichbare Fahrleistungen wie ein konventionell laminiertes Modell zu erreichen.
PM – Weniger Motorleistung bedeutet geringeren Kraftstoffverbrauch und niedrigere Emissionen.
MR – Genau. Wenn wir über Nachhaltigkeit sprechen, müssen wir auch den Herstellungsprozess betrachten und nicht nur den Betrieb des Bootes. Die Infusionstechnologie verbessert nicht nur die Effizienz der Laminierung, sondern reduziert die Styrol-Emissionen während der Produktion nahezu auf null. Dieser Aspekt bleibt oft im Hintergrund, ist jedoch von großer Bedeutung, weil er die Arbeitsbedingungen in der Werft erheblich verbessert und die Gesundheit der Beschäftigten schützt.
PM – Mit der Sessa Classic Division gehen Sie das Thema Nachhaltigkeit jedoch nicht nur über neue Antriebssysteme oder alternative Materialien an, sondern auch aus einer anderen Richtung, die vielleicht einfacher und ebenso wirksam ist: durch die Verlängerung der Lebensdauer bereits existierender Boote.
MR – Einen vorhandenen Rumpf zu erhalten, zu modernisieren und technisch auf dem neuesten Stand zu halten bedeutet weniger Rohstoffverbrauch, weniger Abfall und einen geringeren Energieeinsatz als ein Neubau. Vor allem aber bedeutet es, mehr Wert aus bereits vorhandenen Ressourcen zu schöpfen. Besonders relevant ist dies bei GFK-Rümpfen – einem Werkstoff, der den Freizeitschiffbau grundlegend verändert hat, weil er leicht, widerstandsfähig und langlebig ist, dessen Entsorgung am Ende des Lebenszyklus jedoch weiterhin eine Herausforderung darstellt. In diesem Zusammenhang ist ein Refit weit mehr als Wartung: Es verlängert die Nutzungsdauer und verschiebt oder verhindert sogar die Ausmusterung eines Bootes.
PM – Wann wird das Sessa Classic Programm offiziell starten?
MR – Tatsächlich läuft das Programm bereits. Sessa Marine bietet diese Leistungen seit Jahren für zahlreiche Kunden an, die sich mit ihren Booten an die Werft gewandt haben. Bislang geschah dies jedoch eher im Hintergrund. Deshalb wollten wir diesem Tätigkeitsbereich eine klare Identität geben und ein eigenes Team dafür aufbauen. Sessa Classic ist nicht nur ein weiteres kommerzielles Angebot, sondern ein strategischer Baustein unseres Unternehmens. Speziell entwickelte Servicepakete, standardisierte Verfahren und technische Partner, die nach ihrer jeweiligen Fachkompetenz ausgewählt werden, bilden eine Struktur, die langfristig wachsen soll und nicht auf eine einmalige Initiative beschränkt ist.

Aus unserer Sicht markiert die Sessa Classic Division mehr als die Einführung eines neuen Serviceangebots. Sie steht für einen neuen Ansatz in der Beziehung zwischen Werft und Eigner. Das Boot wird nicht länger als Produkt betrachtet, das irgendwann durch ein Nachfolgemodell ersetzt werden soll, sondern als Vermögenswert, der erhalten, modernisiert und im Laufe der Zeit aufgewertet wird. Genau darin liegt die Vorstellung von Nachhaltigkeit bei Sessa Marine: hochwertige Boote bauen, ihre Lebensdauer verlängern und den Wert jeder Yacht mit dem Namen Sessa dauerhaft erhalten.
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