Nachhaltigkeit im Yachtinterieur: Materialien und Lieferkette im Mittelpunkt
Nachhaltigkeit im Yachtinterieur: Materialien und Lieferkette im Mittelpunkt
Am 21. September, kurz vor der Eröffnung der Monaco Yacht Show 2026, kamen in Nizza mehr als 40 Vertreter verschiedener Bereiche der Yachtindustrie zu einem Workshop zusammen, der sich mit einer scheinbar einfachen Frage beschäftigte: Was ist tatsächlich erforderlich, um Nachhaltigkeit in Yachtinterieurs zu integrieren?
Die Veranstaltung wurde von Smart Interiors Horizon organisiert, einem Komitee im Rahmen der Water Revolution Foundation, und von Zuretti Design in dessen Atelier in Nizza ausgerichtet. An dem Treffen nahmen Werften, Zulieferer, auf Innenausbau spezialisierte Unternehmen, Designer, Vertreter von Yachteignern und weitere Akteure der Lieferkette teil. Damit waren die unterschiedlichen Bereiche vertreten, die an der Planung und Realisierung eines Yachtinterieurs beteiligt sind.
Sich in die Lage anderer versetzen
Der Tag begann mit einer Herausforderung, die bewusst darauf ausgelegt war, die Teilnehmer aus ihrer Komfortzone zu holen. Sie wurden in Gruppen eingeteilt, denen jeweils die Rolle eines bestimmten Stakeholders zugewiesen wurde. Anschließend sollten sie ein reales Nachhaltigkeitsszenario aus dessen Perspektive bearbeiten. Zum Abschluss stellte jede Gruppe ihren gewählten Lösungsweg, das größte dabei identifizierte Hindernis sowie die aus ihrer Sicht wichtigste erforderliche Veränderung vor.
Die Aufgabe erwies sich als komplexer, als es zunächst den Anschein hatte. Sich in die Lage eines anderen Akteurs der Lieferkette zu versetzen, machte deutlich, wie unterschiedlich Nachhaltigkeit wahrgenommen und diskutiert wird – abhängig davon, welche Position man innerhalb der Supply Chain einnimmt. Gleichzeitig zeigte sich, wie wichtig eine echte 360-Grad-Betrachtung eines Projekts ist, um aus dem Dialog konkrete Maßnahmen entstehen zu lassen.

Ein einzelner Akteur und der Ketteneffekt
Am Nachmittag ergriff Mariangela Oliveri das Wort und erläuterte anhand ihrer persönlichen Erfahrungen, wie auch ein einzelnes Unternehmen dazu beitragen kann, die Entwicklung einer gesamten Branche zu beeinflussen. Ihre Botschaft lautete, dass eine isolierte Maßnahme in Wirklichkeit niemals vollständig isoliert bleibt: Jeder Schritt eines einzelnen Akteurs wirkt sich entlang der Lieferkette aus, und eine Entscheidung, die innerhalb eines Unternehmens getroffen wird, kann letztlich den gesamten Markt beeinflussen.
Dieser Beitrag leitete passend zu einer Erkenntnis über, die sich anschließend aus der Diskussion ergab: Entscheidend ist die Zusammenarbeit innerhalb der Branche und über sämtliche Ebenen der Supply Chain hinweg. Gegenseitige Unterstützung, die Koordination von Aktivitäten und klar definierte Verantwortlichkeiten für die Überwachung und Vermittlung nachhaltiger Praktiken können konkrete Ergebnisse ermöglichen.
„Was brauche ich / was kann ich anbieten?“
Die zweite Übung des Nachmittags stellte genau dieses Prinzip auf die Probe. Jeder Teilnehmer wurde gebeten, nacheinander zu erläutern, was er von anderen benötigt, um nachhaltigere Entscheidungen treffen zu können, und was er im Gegenzug selbst anbieten kann.
Auf mehr als 40 Fachleute übertragen, zeichnete die Übung ein konkretes Netzwerk gegenseitiger Abhängigkeiten. Sie zeigte, dass jeder den anderen etwas anbieten kann und gleichzeitig auf den Beitrag anderer angewiesen ist, um effektiv arbeiten und seine Ziele erreichen zu können. Damit stellte die Übung die lange Zeit im Yachting verbreitete Mentalität voneinander abgeschotteter Bereiche unmittelbar infrage und verdeutlichte zugleich, warum dieser Ansatz den heutigen Anforderungen der Branche nicht mehr gerecht wird.

Die Smart Materials Library im Praxistest
Ein Thema, das den gesamten Tag begleitete, war die Smart Materials Library. Smart Interiors Horizon entwickelt dieses Instrument mit dem Ziel, der Branche eine gemeinsame und durchsuchbare Informationsquelle für Materialien und Lieferanten zur Verfügung zu stellen.
Die Teilnehmer konnten die Plattform direkt nutzen und anhand der konkreten Herausforderungen testen, die während des Workshops zur Sprache kamen. Auch dieser Ansatz spiegelte die kollaborative Philosophie wider, auf der die Veranstaltung basierte: Anstatt dass jedes Unternehmen sein eigenes, abgeschottetes Wissen aufbaut, soll eine gemeinsame Ressource entstehen, auf die die gesamte Branche zurückgreifen kann.
Zum Abschluss des Workshops wurden die nächsten Schritte definiert: Die Smart Materials Library soll auf Grundlage des während der Veranstaltung gesammelten Feedbacks weiterentwickelt und ihre Datenbasis an Materialien und Lieferanten erweitert werden. Die ersten Erkenntnisse sollen zudem beim The Superyacht Forum in Amsterdam vorgestellt werden. 2027 soll schließlich der nächste Workshop von Smart Interiors Horizon stattfinden.
Rebecca Gabbi
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