Dasha Moranova: Wahrer Luxus an Bord bedeutet, sich wohlzufühlen
Auf der Monaco Yacht Show erläutert die Gründerin von DMD eine Designphilosophie, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Materialien, Licht und Technologie dienen einem gemeinsamen Ziel: die Qualität der auf See verbrachten Zeit zu verbessern.
Eine Yacht kann durch ihre Größe, ihre Oberflächen oder ihre anspruchsvolle Ausstattung beeindrucken. Doch was sorgt dafür, dass sich Menschen an Bord wirklich wohlfühlen? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Arbeit von Dasha Moranova. Im Gespräch auf der Monaco Yacht Show spricht die Designerin über Balance, Sinneswahrnehmung und Wohlbefinden – und lenkt den Blick über das Erscheinungsbild der Yacht hinaus.
„Bei unserem Design geht es um Menschen. Der Kunde steht an erster Stelle“, erklärt sie. Ein scheinbar einfacher Grundsatz, der verlangt, zahlreiche Elemente gemeinsam zu betrachten: die Proportionen der Möbel, Farben, Beleuchtung, Oberflächen und ihre Wahrnehmung im Alltag.
Ein wachsendes Studio
Als Gründerin und Kreativdirektorin von Dasha Moranova Designs mit Sitz in Amsterdam bringt Moranova rund zwanzig Jahre Erfahrung in das Studio ein. Ihr beruflicher Weg umfasst Tätigkeiten in den Teams von Blue Ocean Yacht Management, Terence Disdale Design und Winch Design. Im Jahr 2021 markierte die Zusammenarbeit mit Lürssen an den Innenräumen des 98 Meter langen Yachtkonzepts Alice einen Meilenstein für das unabhängige Studio.
Heute erstreckt sich die Arbeit auf Neubauten und Refits. Im Interview beschreibt Moranova ein siebenköpfiges Team, das mit dem Auftragsvolumen wachsen soll: zwei laufende Neubauprojekte, ein gerade abgeschlossener Refit einer rund 50 Meter langen Yacht und zwei weitere, für den Winter geplante Refits. Hinzu kommt die Eröffnung eines neuen Büros im Zentrum von Amsterdam.
Dieses Wachstum folgt einer klaren Vision: Räume zu gestalten, die den Gewohnheiten des Eigners und seiner Art, das Leben auf See zu genießen, entsprechen.

Wohlbefinden beginnt mit Balance
Auf die Frage nach ihrem bevorzugten Material entscheidet sich Moranova bewusst nicht für ein einziges. Entscheidend sei das Zusammenspiel verschiedener Materialien.
„Man braucht von allem etwas: Holz, um die Natur zu spüren, Metall für ein Gefühl von Stabilität, Glas für Reflexionen und eine gute Beleuchtung.“
Textilien, Oberflächen und Veredelungen tragen alle zur selben Komposition bei. Das Ergebnis bemisst sich daran, wie ein Raum auf Menschen wirkt: ob er zum Verweilen einlädt, alltägliche Handlungen angenehm macht und Entspannung ermöglicht.
„Wenn alles im Einklang ist, fühlt man sich wohl“, fasst sie zusammen.
Für das Yachtdesign hat dieser Ansatz eine konkrete Konsequenz: Wohlbefinden wird von Anfang an Teil des Projekts. Es prägt die Raumaufteilung und das Erleben der Räume ebenso wie die dafür vorgesehenen Einrichtungen.

Senses: Ingenieurskunst im Dienst des Erlebnisses
Am deutlichsten kommt dieser Ansatz im 83 Meter langen Konzept Senses zum Ausdruck, das DMD auf der Plattform Free From Bulkheads von Lateral Naval Architects entwickelt hat. Die Unterscheidung der Aufgaben ist wichtig: Lateral liefert die ingenieurtechnische Grundlage, während Moranova deren Möglichkeiten durch die Gestaltung der Räume und des Wellnesserlebnisses erschließt.
Die Plattform ermöglicht es, wasserdichte Schotten auf Höhe des Unterdecks enden zu lassen. Dadurch wird die Raumaufteilung auf diesem Deck von den Einschränkungen der herkömmlichen wasserdichten Unterteilung befreit. DMD nutzt diese Freiheit für einen großzügigen Wellnessbereich nahe der Wasserlinie mit einem nahezu 360-Grad-Blick auf das Meer.
Die Verbindung zum Meer wird damit selbst zum Bestandteil des Designs. Fließende Raumübergänge und die Öffnung nach außen betten das Wellnesserlebnis in einen größeren Zusammenhang ein, in dem die umgebende Meereslandschaft die Zeit an Bord begleitet.
Moranova beschreibt einen KI-gestützten Fitnessbereich, Räume für Meditation, Kryotherapie und eine Dampfdusche mit einem großen natürlichen Salzstein. Das Konzept umfasst außerdem eine finnische Sauna, ein Dampfbad und zum Meer ausgerichtete Liegen mit integrierten Massagesystemen.
Die Technologie wird dezent eingebunden: Bedienfelder, die bei Bedarf sichtbar werden, und unsichtbare Audiolösungen tragen dazu bei, eine optisch ruhige Umgebung zu bewahren. Sie unterstützen das von der Designerin entwickelte sinnliche Erlebnis.

Eine individuelle Atmosphäre schaffen
Ein weiteres Beispiel für diese Philosophie ist Aurai, ein Innenraumkonzept für das Simply-Custom-Programm von Oceanco, das auf das Außendesign von Bozca Limitless Design abgestimmt wurde.
DMD präsentiert drei Interpretationen der Innenräume bei gleicher grundsätzlicher Raumaufteilung und unveränderter äußerer Struktur. Durch unterschiedliche Oberflächen und Wandverkleidungen verändert sich die Atmosphäre der Yacht. Dies zeigt, wie eine individuelle Gestaltung die Wahrnehmung von Räumen verändern kann, ohne jedes Mal eine andere Architektur zu erfordern.
Vom Besitz zum Erlebnis
Das Gespräch führt schließlich zum Thema Langlebigkeit, das auch im Yachting zunehmend diskutiert wird. Moranova verbindet es mit der Aufmerksamkeit für Ernährung, Bewegung, Schlaf und den Umgang mit der eigenen Zeit. Ihrer Ansicht nach hat die Pandemie dieses Bewusstsein verstärkt.
Vor allem verändert sich die Bedeutung, die einer Yacht zugeschrieben wird.
„Früher ging es stärker darum, was man besaß. Heute zählt, was man erlebt und wie man seine Zeit verbringt“, erklärt sie und betont zugleich den Wert dessen, was man anderen zurückgibt.
Für Moranova erwächst aus dieser Entwicklung eine gestalterische Verantwortung: Orte zu schaffen, die die Qualität der dort verbrachten Zeit verbessern. Eine Yacht bleibt ein außerordentlich komplexes Objekt. Ihr persönlichster Wert kann sich jedoch in einem ganz einfachen Gefühl zeigen: sich an Bord wohlzufühlen.
Filippo Ceragioli
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