Ferrari Hypersail: Lackierung des 100-Fuß-Full-Foiling-Monohulls in Mailand vorgestellt
Im Rahmen der Milano Design Week stellte Ferrari im eigenen Store im Zentrum von Mailand die Lackierung von Hypersail vor, einem 100-Fuß-Ozean-Monohull, der fliegend segeln kann und zu den fortschrittlichsten Projekten im Offshore-Segelsport zählt. Es handelt sich nicht nur um eine stilistische Übung, sondern um die Synthese eines Entwicklungsprozesses, der Ingenieurwesen, Aerodynamik und Design in einer einheitlichen Vision vereint. Hypersail entstand als Open-Innovation-Plattform, entwickelt vom Ferrari-Team gemeinsam mit dem Ferrari Design Studio unter der Leitung von Flavio Manzoni sowie dem Navalarchitekten Guillaume Verdier. In Mailand waren zudem das Ferrari Tech Team unter Leitung von Matteo Lanzavecchia und Marco Guglielmo Ribigini, der Segel- und Appendages-Spezialist Glenn Ashby sowie der neue Projektleiter, Segler Enrico Voltolini, anwesend, der die Arbeit von Giovanni Soldini in der ersten Projektphase würdigte.

Mit einer Länge von 30 Metern, einer Breite von 20 Metern und einem 40 Meter hohen Mast verfolgt Hypersail einen innovativen Ansatz im Offshore-Foiling. Die Wahl eines Monohulls basiert auf der Suche nach maximaler aerodynamischer und hydrodynamischer Effizienz, um den Widerstand zu reduzieren und hohe, zugleich konstante Durchschnittsgeschwindigkeiten auch auf langen Ozeanpassagen zu ermöglichen. Das Boot unterliegt keiner America’s Cup Box Rule, erinnert jedoch in größerem Maßstab an die AC75, wobei ein Gleichgewicht zwischen Geschwindigkeit und Kontrolle angestrebt wird, das für reale Offshore-Bedingungen erforderlich ist.

Ein zentrales Element des Projekts ist die Energieautarkie. Hypersail ist darauf ausgelegt, den Energiebedarf der Bordsysteme selbstständig aus erneuerbaren Quellen zu decken. Rund 100 Quadratmeter Solarpaneele sind in Deck und Bordwände integriert und liefern eine Leistung von etwa 20 kW. Ergänzt wird dies durch Energiesysteme, die Wind und die Bewegung der Yacht nutzen. Die Fluglage wird über Systeme gesteuert, die aus Ferraris Erfahrung im Sportwagenbau abgeleitet sind, wobei aktive Appendages für Stabilität und Präzision sorgen.
Die Lackierung als gestalterisches Element
Aus gestalterischer Sicht folgt das Ferrari Design Studio demselben Ansatz wie im Automobildesign: von der Funktion zur Form. Wie Flavio Manzoni betont, basiert der Prozess auf einem kontinuierlichen Austausch zwischen Designern und Ingenieuren, wodurch strenge technische Vorgaben in gestalterische Chancen umgewandelt werden. Dieser Ansatz wurde bereits bei hochkomplexen Projekten wie dem dreifachen Le-Mans-Sieger 499P oder Programmen wie dem FXX-K erprobt.
Bei Hypersail bestand eine der größten Herausforderungen darin, die Solarpaneele in die komplexen Flächen der Decksaufbauten, inspiriert von der 499P, sowie in Deck und Bordwände zu integrieren – gelöst durch eine enge Abstimmung von Form und Grafik.
Die Lackierung ergibt sich aus technischen und identitätsstiftenden Anforderungen. Das dunkle Deck im neuen Grigio Hypersail integriert die Solarpaneele und schafft visuelle Einheitlichkeit im Wechsel mit sichtbaren Carbonflächen, während das neue Giallo Fly ein prägnantes Gestaltungselement darstellt. Gelb, traditionell die zweite Farbe Ferraris und die Farbe Modenas, bildet den Hintergrund für das Cavallino Rampante und zieht sich als markanter Akzent über den Rumpf. Stilistisch nimmt die Lackierung Bezug auf ikonische Ferrari-Modelle wie die 512 BB sowie auf LaFerrari, die Monza SP1 und die 499P.
Das Projekt tritt nun in die operative Phase ein, unter der Leitung von Enrico Voltolini, mit strukturellen Tests, Entwicklung der Kontrollsysteme und Aufbau des Segelteams. Ferrari verfolgt das Ziel, internationale Kompetenzen aus dem Offshore-Segeln und dem America’s Cup zusammenzuführen, um die Grenzen der Offshore-Navigation neu zu definieren.
Giuliano Luzzatto
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