Sanlorenzo-Lürssen: Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung
RAPALLO (GE) – Die Nachricht stammt von einem hochrangigen Manager und sorgt angesichts der beteiligten Namen durchaus für Aufmerksamkeit: Sanlorenzo und Lürssen arbeiten seit mehr als anderthalb Jahren im Bereich Forschung und Entwicklung an mehreren Projekten zusammen.
Bestätigt wurde dies von Simone Bruckner, Chief R&D Officer von Sanlorenzo, der heute in Rapallo an einer Diskussionsrunde zum Thema Dekarbonisierung teilnahm. Die Veranstaltung wurde vom Propeller Club Genua im Rahmen des nationalen Energieforums „Transizione al bivio“ des Senders Telenord organisiert.
Zunächst gilt es jedoch, weiteren Spekulationen oder gesellschaftsrechtlichen Szenarien entgegenzutreten, die – zumindest vorerst – eher zur „Fantanautica“ gehören: Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Werften ist weder formalisiert noch betrifft sie andere Bereiche als die technische Entwicklung.
Man kann sie als einen „einfachen“ Austausch und eine gemeinsame Nutzung von Erfahrungen und Know-how zwischen Fachleuten – überwiegend Ingenieuren – definieren. Dennoch besitzt diese Kooperation eine erhebliche Relevanz und Substanz, was bereits durch mehrere Besuche italienischer Delegationen in Deutschland belegt wird, die von deutschen Kollegen erwidert wurden.

Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der beiden R&D-Teams stehen Projekte zur Nutzung von Methanol als Kraftstoff, aber auch Brennstoffzellen, Elektrifizierung, Hybridisierung von Yachten und weitere Technologien. Interessant ist zudem, dass die Zusammenarbeit begann, nachdem Sanlorenzo „Almax“ vorgestellt hatte – die 50-Meter-Superyacht mit einem Reformer-Brennstoffzellensystem auf Basis von grünem Methanol, das Methanol zunächst in Wasserstoff und anschließend in elektrische Energie umwandelt, sodass sämtliche Hotelservices an Bord bei abgeschalteten Motoren und Generatoren betrieben werden können.
„Es war das erste Mal, dass eine italienische Werft bei einem reinen Technologieprojekt eine Vorreiterrolle übernommen hat“, erklärte Bruckner mit nachvollziehbarem Stolz, als er die Anfänge der Beziehung zu den Deutschen schilderte, die von dieser Innovation so beeindruckt waren, dass sie selbst den Kontakt zu Sanlorenzo suchten.
In jüngster Zeit hat sich die Zusammenarbeit etwas verlangsamt, auch weil auf mehr Klarheit hinsichtlich der IMO-Vorschriften gewartet wird. Die Kontakte bleiben jedoch aktiv und umfassen auch Simulationsprojekte. Die Kooperation stellt eine wichtige Anerkennung der Innovationsfähigkeit der von Massimo Perotti gegründeten Werft dar – in einem Sektor wie der Yachting-Industrie, der im Bereich Dekarbonisierung letztlich den Entscheidungen der zahlenmäßig weit größeren Handelsschifffahrt folgen muss, insbesondere in Bezug auf saubere Kraftstoffe.
„Unsere Technologie für grünes Methanol ist bereit; das größte Problem sind derzeit die Infrastruktur und die Vorschriften“, fasste Bruckner zusammen.
Zum Thema Kraftstoffe betonte Andrea Cogliolo, Senior Director Marine Excellence Centers bei RINA, erneut, dass derzeit noch unklar sei, welcher Energieträger sich letztlich durchsetzen werde.
„Es ist heute undenkbar, dass sich eine Marina für die Versorgung mit mehr als einem der neuen ‚sauberen‘ Kraftstoffe ausrüstet. Erst vor wenigen Tagen wurde die erste Ammoniak-Bunkerung in Südkorea bekannt, die im Ship-to-Ship-Verfahren für einen Gastanker durchgeführt wurde. Im kommerziellen Schiffsverkehr orientieren sich die Entscheidungen überwiegend an Bio-LNG und LNG – je nachdem, ob das Schiff bereits in Betrieb oder noch in der Bestellphase ist“, erklärte Cogliolo.

Eine ähnliche flexible und technologieoffene Strategie verfolgt auch die Fratelli Cosulich Group, ein Konzern mit einem Umsatz von über zwei Milliarden Euro, der in verschiedenen Bereichen der Schifffahrt tätig ist, insbesondere im Trading.
„Wir verstehen uns als Ermöglicher für Reeder und Lieferanten: Unsere Bunkerboote sind weltweit stationiert und wir verfügen über eine globale Sichtweise“, erklärte Emanuela Franchini, Head of New Fuels des genuesischen Unternehmens, das sich bewusst alle Optionen offenhalten möchte, anstatt sich auf einen einzigen Weg festzulegen.
Interessant ist auch das Beispiel Singapur: Dort verlangte die Hafenbehörde MPA bei der Vergabe neuer Bunker-Lizenzen von allen Teilnehmern der öffentlichen Ausschreibung, Konsortien zu bilden, um eine vollständige Versorgungskette sicherzustellen und jene „Lücken“ entlang der Lieferkette zu vermeiden, die viele Betreiber bei ihren strategischen Entscheidungen befürchten.
Nicole Colla, Operator bei Axpo, erklärte, dass das Beispiel Genuas – wo im vergangenen Dezember die erste italienische LNG-Bunkerung im Ship-to-Ship-Verfahren an der Fähre GNV Virgo stattfand – bis Ende des Monats in Neapel an einem Kreuzfahrtschiff wiederholt werde und anschließend auch in Civitavecchia vorgesehen sei. Dies sei ein ermutigendes Signal für die Entwicklung dieses Kraftstoffs in Italien.
Das Schweizer Unternehmen setzt dabei auf die „Green Pearl“, ein innovatives Small-Scale-Gastankschiff für den Transport und die Versorgung mit LNG und Bio-LNG, das sowohl für Ship-to-Ship- als auch für Ship-to-Truck-Operationen eingesetzt werden kann. Letztere Variante, also die Belieferung von Tanklastwagen, erleichtert die Logistik der Kraftstoffversorgung erheblich.
„Concertation“ und „Consensus Building“ seien grundlegende Elemente der IMO-Politik zur Dekarbonisierung, erinnerte Lorenzo Pollicardo, Technical & Environmental Director von SYBAss, der die Diskussionsrunde eröffnete.
Riccardo Masnata
©PressMare - Alle Rechte vorbehalten
