Stefano Campanelli, Mase Generators: Der Generator ist heute das primäre Energiezentrum einer Yacht
Stefano Campanelli, Mase Generators: Der Generator ist heute das primäre Energiezentrum einer Yacht
Der Generator ist längst keine reine „Hilfsmaschine“ mehr, sondern der zentrale Baustein des gesamten Energiesystems an Bord. So beschreibt Stefano Campanelli, Vertriebsleiter von Mase Generators, den Wandel, den der Marinegenerator in den vergangenen Jahren durchlaufen hat: vom Hilfsaggregat zum eigentlichen primären Energiezentrum der Yacht, das mit Batterien, Wechselrichtern und immer komplexeren Energiemanagementsystemen kommunizieren muss. Diese Entwicklung begleitet das seit über fünfzig Jahren tätige Unternehmen aus der Romagna mit der Entwicklung hybrider und drehzahlvariabler Generatoren sowie mit einem kontinuierlichen Ausbau seiner Dienstleistungen, darunter die vorausschauende Wartung.
PressMare – Mase Generators zählt heute zu den führenden italienischen Herstellern von Stromerzeugungsaggregaten für den Marinebereich. Wie würden Sie das Unternehmen jemandem beschreiben, der es noch nicht kennt? Welche Größe hat heute die Marine-Sparte und wodurch unterscheidet sie sich auf internationaler Ebene?
Stefano Campanelli – Mase Generators wurde vor mehr als fünfzig Jahren in der Romagna gegründet – einer Region, in der Erfindergeist und Pragmatismus zur DNA gehören. Aus einer kleinen Handwerkswerkstatt ist ein international anerkannter Spezialist für Energieerzeugung geworden. Die Marine-Division verkörpert diese Entwicklung: ein engagiertes Team, ein vollständiges Produktportfolio und eine technische Unternehmenskultur, die Zuverlässigkeit, Qualität und Kundennähe in den Mittelpunkt stellt. Unsere Welt besteht aus Konstrukteuren, Werften, Eignern und Technikern, die täglich zuverlässige Lösungen benötigen – und genau diese entwickeln wir gemeinsam mit ihnen.
PM – Die Anforderungen von Werften und Eignern haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Welche Wünsche werden heute am häufigsten an Sie herangetragen und wie hat sich die Rolle des Generators an Bord entwickelt?
SC – Vor allem hat sich die Art verändert, wie Energie an Bord gedacht wird. Werften suchen heute nicht mehr einfach nur einen Generator, sondern ein System, das mit allen anderen Komponenten der Yacht kommuniziert. Eigner und Kapitäne verlangen Ruhe, Effizienz und Komfort. Der Generator, der früher lediglich als „Hilfsmaschine“ galt, ist heute Teil der Identität der Yacht. Er muss unauffällig, intelligent und in der Lage sein, sich den Lasten und Anforderungen an Bord anzupassen. Mit einem Wort: Er muss integriert sein.
Damit hat sich seine Funktion vom Hilfsaggregat zum eigentlichen primären Energiezentrum der Yacht entwickelt. Er muss Kontinuität, Sicherheit und Komfort gewährleisten und zugleich für die vorausschauende Wartung vorbereitet sein. Daran arbeiten wir seit mehreren Jahren intensiv, mit dem Ziel, unser Webportal zu einer echten Referenzplattform für die Branche zu machen.
PM – Auf welche Produktentwicklungen konzentrieren sich Ihre Investitionen derzeit? Gibt es Technologien oder Lösungen, die Ihrer Meinung nach den Markt in den kommenden Jahren entscheidend prägen werden?
SC – Innovation ist für uns kein theoretisches Konzept, sondern entsteht immer aus konkreten Anforderungen. Wir entwickeln effizientere Generatoren, die mit Kraftstoffen geringerer Umweltbelastung kompatibel sind, sowie Hybridsysteme, die Generator und Batterien zu einer harmonischen Plattform verbinden. Parallel zur Mechanik wächst die digitale Welt mit Steuerungselektronik, fortschrittlicher Diagnostik und vorausschauender Wartung. Diese Entwicklung hilft Werften, bessere Projekte zu realisieren, und gibt Eignern mehr Sicherheit auf See.
PM – Welche Generatorbaureihen erzielen derzeit die interessantesten kommerziellen Ergebnisse? Welche technischen Eigenschaften überzeugen Werften und Eigner besonders?
SC – Drehzahlvariable Generatoren und Hybridsysteme stehen heute im Mittelpunkt des Interesses. Diese Generatoren „spüren“ die Yacht, passen ihre Leistung dem Bedarf an und reduzieren Verbrauch sowie Geräuschentwicklung. Konstrukteure schätzen die kompakte Bauweise, Installateure die einfache Montage und Eigner den hohen Komfort. Dieses Gleichgewicht ist das Ergebnis jahrelanger technischer Weiterentwicklung und eines intensiven Austauschs mit unseren Kunden.
PM – Welche geografischen Märkte entwickeln sich derzeit besonders positiv? Wo sehen Sie die größten Wachstumschancen und wo ist Vorsicht geboten?
SC – Der Mittelmeerraum bleibt unser natürlicher Heimatmarkt und zugleich der dynamischste und wichtigste Markt mit einer klar strukturierten Nachfrage, einer strategischen Ausrichtung der Werften und einer konstanten Suche nach innovativen Lösungen. Gleichzeitig beobachten wir aufmerksam Regionen, in denen die Nachfrage nach nachhaltigen und technologisch fortschrittlichen Lösungen zunimmt: Europa insgesamt, Nord- und Südamerika, Teile des Nahen Ostens sowie neue Wachstumsmärkte, in denen die Freizeitschifffahrt stark expandiert. In anderen Regionen gehen wir bewusst vorsichtig vor. Es reicht nicht aus zu verkaufen – man muss langfristige Beziehungen aufbauen und den Kunden auch nach dem Verkauf zuverlässig begleiten.
PM – Das Jahr ist bereits zur Hälfte vorbei. Wie fällt Ihre Bilanz der ersten sechs Monate 2026 aus? Wie entwickeln sich Auftragseingang, Umsatz und Rentabilität im Vergleich zu Ihren Erwartungen?
SC – 2026 ist für uns ein Jahr der Konsolidierung nach der starken Wachstumsphase nach der Pandemie. In den ersten sechs Monaten lagen Auftragseingang und Umsatz im Rahmen oder leicht über unseren Erwartungen. Sowohl der Freizeit- als auch der professionelle Bereich entwickeln sich stabil. Die Rentabilität profitiert von einem Produktmix mit immer höherem Mehrwert sowie von einer konsequenten Steigerung der internen Effizienz. Dieser Weg verlangt Engagement, ermöglicht uns aber ein gesundes und nachhaltiges Wachstum.
PM – Immer mehr Yachten verfügen über Batterien, Hybridsysteme und hochentwickelte Energiemanagementsysteme. Welche Rolle spielt der Generator in diesem Umfeld? Wird er lediglich zu einer weiteren Komponente oder bleibt er das Herzstück des Energiesystems?
SC – In einer Welt, in der Batterien, Wechselrichter und intelligente Energiemanagementsysteme zum Standard werden, verliert der Generator keineswegs an Bedeutung – seine Rolle verändert sich. Heute bildet er den Gleichgewichtspunkt des Systems und sorgt für Kontinuität, Stabilität und Autonomie. Er arbeitet weniger, aber effizienter und hält die gesamte Energieplattform an Bord im Gleichgewicht. Die Herausforderung besteht darin, ihn effizient, leise, nachhaltig und vernetzt zu machen, sodass er mit den übrigen Systemen kommunizieren und aus der Ferne überwacht werden kann.
PM – Im September werden Sie auf den wichtigsten europäischen Bootsmessen vertreten sein. Welche Produkte werden Sie präsentieren und welche Ziele verfolgen Sie?
SC – Die September-Messen sind für uns etwas Besonderes. Sie sind nicht nur Ausstellungen, sondern vor allem Treffpunkte. Wir werden eine sorgfältig ausgewählte Auswahl unserer Marine-Baureihen präsentieren, insbesondere Hybridlösungen und drehzahlvariable Generatoren. Dort hört man zu, beobachtet Trends und knüpft vor allem Beziehungen – denn die Nautik ist zunächst eine Gemeinschaft und erst danach eine Industrie.
Unsere Ziele sind klar: die Zusammenarbeit mit bestehenden Werften zu vertiefen, neue Partnerschaften im Segment der Großyachten aufzubauen, Mase als Technologieunternehmen und nicht nur als Generatorenhersteller zu positionieren und direktes Marktfeedback für die zukünftige Produktentwicklung zu gewinnen.
PM – Ist die METSTRADE in Amsterdam für Mase nach wie vor die wichtigste Veranstaltung des Jahres oder haben Messen wie Cannes, Genua und Monaco an Bedeutung gewonnen? Was erwarten Sie von der Ausgabe 2026?
SC – Die METSTRADE bleibt der Ort, an dem die Branche über Technologie, Standards und die Zukunft diskutiert. Die Yachtmessen in Cannes, Genua und Monaco hingegen sind die Bühne, auf der aus Ideen konkrete Projekte werden. Dort treffen sich Eigner, Kapitäne und Projektmanager, und dort wird entschieden, welche Technologien künftig an Bord installiert werden. Auch die Ausgabe 2026 wird für uns ein entscheidender Moment sein, um unsere Vision zu präsentieren und unsere führende Position im Bereich fortschrittlicher Energiesysteme weiter auszubauen.

PM – Welche drei Prioritäten werden die Entwicklung der Marine-Division in den kommenden drei bis fünf Jahren bestimmen?
SC – Die erste Priorität ist verantwortungsvolle Innovation: Wir investieren weiter in Hybridlösungen, hocheffiziente Systeme, digitale Integration sowie die Reduzierung von Verbrauch und Emissionen – im Einklang mit den Anforderungen moderner Werften und Eigner. Die zweite Priorität ist der Ausbau unseres weltweiten Kundendienstes mit technischer Schulung, Werkstattunterstützung, Fernüberwachung und vorausschauender Wartung. Die wahrgenommene Qualität hängt entscheidend davon ab, wie zuverlässig wir unsere Kunden langfristig begleiten. Die dritte Priorität besteht darin, in Märkten zu wachsen, die echten Mehrwert bieten. Unsere Strategie ist langfristig ausgerichtet und basiert auf einem einfachen Grundsatz: Lösungen zu entwickeln, die funktionieren, langlebig sind und an Bord einen echten Unterschied machen.
PM – Nach den Jahren des starken Wachstums nach der Pandemie ist häufig von einer Normalisierung des Yachtbaumarktes die Rede. Ist das tatsächlich so oder erleben wir bereits eine Krise? Welche Stimmung nehmen Sie bei Ihren täglichen Kontakten mit den Werften wahr?
SC – Ich würde eher von einer Normalisierung als von einer Krise sprechen. Die Branche steht nicht still – sie kehrt lediglich zu einem gesünderen Gleichgewicht zurück. Nach den außergewöhnlichen Jahren unmittelbar nach der Pandemie, als Nachfrage und Auftragseingänge historische Höchststände erreichten, bewegen sich die Produktionsvolumina nun wieder auf einem nachhaltigeren Niveau. Einige Werften haben ihre Investitionen verlangsamt, tun dies jedoch bewusst und mit Fokus auf qualitativ hochwertigere Projekte sowie eine sorgfältigere Planung.
Die Stimmung, die wir täglich wahrnehmen, ist von Vorsicht geprägt, nicht von Besorgnis. Es besteht ein breites Bewusstsein dafür, dass Wachstum nicht unbegrenzt möglich ist und dass wirtschaftliche, ökologische und industrielle Nachhaltigkeit heute zu den entscheidenden Kriterien gehört. Für ein Unternehmen wie Mase, das auf Innovation, Service und langfristige Partnerschaften setzt, kann dieses Umfeld sogar vorteilhaft sein, weil es Unternehmen mit soliden Fundamenten und einer klaren Zukunftsstrategie belohnt.
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