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Brenna Preisser
Brunswick und die Zukunft der Schifffahrt: Interview mit Brenna Preisser, Group Boat President
Einblicke von Brenna Preisser, Präsidentin der Boat Group eines globalen Unternehmens wie Brunswick, zu erhalten, ist ein Privileg, das ich gerne mit den Lesern von PressMare teile.
Auf der Boot Düsseldorf traf ich diese charismatische Gesprächspartnerin und Expertin im nautischen Sektor. Sie leitet den US-amerikanischen Konzern, der allein in der Bootsbranche 12 Marken besitzt, darunter Boston Whaler, Bayliner, Navan, Quicksilver und Sea Ray.
Brunswick kontrolliert insgesamt 60 Marken in verschiedenen Bereichen: Boote, Antriebssysteme, Marinezubehör, Bordtechnologie, digitale Dienste, gemeinschaftliche Bootsmodelle, Finanzierung, Versicherung und erweiterte Garantien.
Mit über 17.000 Mitarbeitern in 25 Ländern wurde Brunswick 2023 von Forbes als eines der besten Arbeitgeber weltweit und von Newsweek als eines der verantwortungsvollsten Unternehmen Amerikas ausgezeichnet – jeweils zum vierten Mal in Folge. Darüber hinaus wurde es von U.S. News & World Report als eines der besten Unternehmen zum Arbeiten 2023 gelistet und erneut von Newsweek als eines der verantwortungsvollsten Unternehmen Amerikas anerkannt.
Mein Gespräch mit Frau Preisser bot eine klare Vision, wie Brunswick die Zukunft gestaltet und was in der Bootsbranche, insbesondere außerhalb des Megayacht-Sektors, zu erwarten ist.
Ein zentraler Trend ist die steigende Zugänglichkeit des Bootssports durch Boating Intelligence, technologische Fortschritte, die die Bootsbedienung vereinfachen und das Benutzererlebnis verbessern.
PressMare - Wie sehen Sie die Zukunft von Steuer- und Automatisierungssystemen für Boote? Wie können sie das Bootserlebnis verbessern und neue Enthusiasten anziehen?
Brenna Preisser - Steuerungssysteme gibt es seit Jahren. Denken Sie an die Joystick-Steuerung – Brunswick hat diese Innovation mit der ACES-Strategie (Autonomie, Konnektivität, Elektrifizierung und gemeinsamer Zugang) vorangetrieben.
Unsere nächste Grenze sind erweiterte Bootssteuerungssysteme, die eine Vielzahl von Lösungen umfassen.
Auf der CES in Las Vegas haben wir kürzlich unsere Copilot-Intelligenzsysteme vorgestellt. Diese fungieren als Co-Pilot an Bord und bieten zukunftsweisende Innovationen, die das Bootserlebnis neu definieren werden.
Bereits heute gibt es autonome Anlegesysteme, die wir in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 offiziell einführen werden. Wir haben die größten Herausforderungen beim Bootfahren analysiert – wie das Anlegen in Häfen – und Lösungen entwickelt, die diese Prozesse erleichtern.
Dank Kameras, intelligenter Computer und fortschrittlicher Steuerungen können Nutzer ihr Boot auf Knopfdruck autonom anlegen und manövrieren.
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Auf der Boot Düsseldorf präsentieren wir zudem die Sea Ray 270 Surf Series, ein weiteres Beispiel für moderne Steuerungssysteme. Wakesurfen ist immer beliebter, erfordert jedoch ein gewisses Maß an Können – sowohl vom Kapitän als auch vom Surfer. Unser System nimmt diese Komplexität heraus: Mit nur einem Knopfdruck stellt das Boot automatisch die Ballasttanks ein, um die perfekte Welle zu erzeugen – ideal auch für Anfänger.
PM - Glauben Sie, dass diese Systeme traditionelle Bootsfahrer umdenken lassen?
BP - Die nächste Generation von Bootsfahrern zu gewinnen, ist entscheidend für die Branche. Unser Ziel ist es, eine reibungslosere Erfahrung zu schaffen, da die junge Generation eine andere Erwartung an Einfachheit hat.
Als Branchenführer ist es essenziell, Bootsfahrer auf ihrem jeweiligen Kenntnisstand abzuholen. Einige lieben weiterhin das manuelle Navigieren, und wir möchten dieses Erlebnis verbessern, nicht ersetzen.
Für Neueinsteiger hingegen ermöglichen unsere autonomen Systeme – wie beim Boston Whaler 405 Conquest – einen einfachen Zugang zum Bootssport. Ein erfahrener Eigner möchte vielleicht weiterhin die volle Kontrolle behalten, während ein anderer lieber einen Knopf drückt und das Boot den Rest erledigt.
Technologie sollte Probleme lösen, Barrieren abbauen und das Gesamterlebnis verbessern.
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PM - Die Konsumgewohnheiten ändern sich. Junge Leute, wie meine Kinder (19 und 21), bevorzugen Zugang statt Besitz. Wie gehen Sie mit diesem Trend um?
BP - Brunswick hat diesen Wandel durch die Übernahme des Freedom Boat Club im Jahr 2019 adressiert. Damals hatte der Club 20.000 Mitglieder in den USA. Heute sind es über 400 Standorte weltweit mit mehr als 70.000 Mitgliedern.
Dieses Modell ermöglicht Bootserlebnisse ohne Eigentum. Mitglieder zahlen eine einmalige Gebühr und eine monatliche Mitgliedschaft, um eine Flotte von Booten (bis zu 7,3 Meter) an verschiedenen Standorten über ein Buchungssystem zu nutzen.
90 % der Mitglieder treten dem Club bei, ohne ein Boot kaufen zu wollen. Doch nach den ersten Erfahrungen verlieben sich viele in das Bootfahren und entscheiden sich für den Kauf eines eigenen Bootes. Dieses Modell senkt die Einstiegshürden und fördert das Branchenwachstum.
PM - Bootsfahrer unterscheiden sich je nach Kultur und Region. Wie geht Brunswick mit diesen Unterschieden um?
BP - Wir setzen auf starke lokale Partnerschaften und kontinuierliches Lernen. Dies ist mein zweiter Besuch auf der Boot Düsseldorf, und ich sammle wertvolle Erkenntnisse.
Zum Beispiel bevorzugen deutsche Bootsfahrer häufig trailerbare Boote, was sich auf unsere Produktentwicklung auswirkt.
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Brunswicks globale Reichweite ermöglicht es uns, weiterhin in maßgeschneiderte Lösungen zu investieren. Der Sea Ray Surf Boat 270 wurde in den USA vor einem Jahr eingeführt. Nach Händler-Feedback haben wir ihn für den europäischen Markt angepasst, indem wir die Ballasttanks modifiziert haben, um lokalen Vorschriften zu entsprechen.
Wir bringen auch europäische Innovationen in die USA. Ein Beispiel ist Navan, ein erfolgreiches europäisches Projekt, das wir nun für eine Expansion in Übersee prüfen. Diese grenzüberschreitende Innovation stärkt unsere Marke.
PM - Was ist Ihre Vision für die Zukunft von Brunswick?
BP - Unser Motto lautet „Next Never Rests“. Wir treiben kontinuierlich modernste Technologie, nutzerzentriertes Design und innovative Geschäftsmodelle voran.
Wenn die Branche wächst, wächst Brunswick mit.
PM - Brunswick hat eine enorme Marktmacht und kann die Branche neu definieren.
BP - Genau. Unsere Stärke liegt in globaler Integration. Kein anderes Unternehmen vereint Antriebssysteme, Boote und smarte Technologien so wie wir.
Unsere autonomen Systeme werden auch anderen Bootsherstellern (OEMs) zur Verfügung stehen. Anstatt den Zugang zu begrenzen, glauben wir, dass der Erfolg der Branche auch Brunswicks Erfolg ist.
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