Schenker Watermakers: die Entwicklung von Wasseraufbereitern und neue Branchentrends
Wir haben mit Ingenieur Riccardo Verde, alleinigem Geschäftsführer von Schenker Watermakers, gesprochen – einem italienischen Unternehmen, das sich auf die Herstellung von energierückgewinnenden maritimen Wasseraufbereitern spezialisiert hat. Seit seiner Gründung im Jahr 1998 hat sich das Unternehmen am Markt durch oft innovative, zugleich aber besonders zuverlässige Lösungen positioniert. Im Gespräch haben wir die technologische Entwicklung sowie Markttrends im Yachting-Segment erörtert, einschließlich des Bereichs zunehmend größerer Einheiten. Verde gibt Einblicke in neue Innovationen, Bord-Konnektivität und die Nachfrageentwicklung zwischen Neubau und Refit.
PressMare – Technologische Innovation: Was ist aus Ihrer Sicht der nächste Schritt bei Entsalzungssystemen?
Riccardo Verde – Mittel- bis langfristig könnten Technologien auf Basis von Materialien wie Graphen einen Wendepunkt für Umkehrosmose-Membranen darstellen. Im Gegensatz zu herkömmlichen, mehrschichtigen und dickeren Membranen würde eine atomare Graphen-Membran einen nahezu widerstandslosen Wasserdurchfluss ermöglichen und damit den erforderlichen Betriebsdruck sowie den gesamten Energiebedarf während der Salz-Wasser-Trennung deutlich reduzieren. In diesem Sinne könnten Membranen der nächsten Generation den Entsalzungsprozess „einfacher“ und weniger leistungsintensiv für Pumpen und Hilfssysteme machen. Sollte diese Entwicklung industriell umgesetzt werden, könnten die Kosten für die Trinkwassererzeugung aus Meerwasser sinken – vergleichbar mit der Wirkung eines extrem effizienten Siebs.
Graphen eröffnet somit die Perspektive extrem dünner Membranen mit einem potenziell deutlich geringeren Energiebedarf im Vergleich zu heutigen Technologien.

PM – Welche Auswirkungen hätte dies auf die Energiebilanz an Bord?
RV – Der Wegfall von Hochdruckpumpen dank hocheffizienter Membranen würde den Energieverbrauch drastisch senken. Weniger komplexe Systeme und ein geringerer Leistungsbedarf würden zu einer effizienteren Trinkwasserproduktion führen – mit positiven Effekten auch auf die gesamte elektrische Last an Bord.
PM – IoT, das Internet der Dinge, verbreitet sich zunehmend in Bordsystemen, die immer stärker integriert und vernetzt sind und Daten auch aus der Ferne senden und empfangen können. Trifft das auch auf Ihre Wasseraufbereiter zu?
RV – Ja. Erweiterte Konnektivität ist ein infrastruktureller Treiber für neue Schenker-Anlagen. Unsere Wasseraufbereiter der jüngsten Generation können bereits mit den Multifunktions-Touchscreens führender Anbieter wie Garmin oder B&G kommunizieren und ermöglichen so eine engere Integration zwischen Maschinensteuerung und Navigationsinstrumenten. Auf dem Bildschirm werden unter anderem der Betriebsstatus, der Arbeitsdruck, der Salzgehalt des erzeugten Wassers sowie Alarme und Störungen angezeigt. Der Wasseraufbereiter ist damit Teil des Bordsystems und keine isolierte Einheit mehr.
Der nächste Schritt betrifft die Implementierung von Cloud-Konnektivität und fortschrittlichen Ferndiagnosesystemen auf Basis künstlicher Intelligenz. Diese verarbeiten große Mengen an Betriebs- und historischen Daten, um die vorausschauende Wartung zu optimieren und sowohl Eigner als auch Hersteller bei der Verwaltung verschleißanfälliger Komponenten zu unterstützen.

PM – Die Geräte werden also mit Sensoren und einer Kommunikationszentrale ausgestattet sein …
RV – Genau. So lassen sich Druck, Durchfluss, Temperatur, elektrische Leistungsaufnahme und Betriebsstunden überwachen, alles verbunden mit einer elektronischen Steuereinheit, die Daten über ein Netzwerk (bordseitig oder extern) senden und empfangen kann. Wie Sie bereits sagten, arbeitet die Maschine nicht mehr isoliert, sondern wird zu einem aktiven Knoten eines digitalen Systems.
PM – Wie schlägt sich diese Konnektivität in konkreten Vorteilen für den Endnutzer, den Eigner und/oder den Kapitän nieder?
RV – Intelligente Diagnosefunktionen und automatisierte Berichte verbessern das Nutzungserlebnis und die Effizienz des Servicebetriebs, mit positiven Auswirkungen auf Zuverlässigkeit und Lebensdauer der Anlage. Unsere Roadmap sieht die Einführung direkter Cloud-Funktionen vor, die die Mensch-Maschine-Interaktion und die präventive Wartung erleichtern.

PM – Die METS in Amsterdam ist kürzlich zu Ende gegangen: Wie beurteilen Sie die diesjährige Ausgabe und die Rolle von Fachmessen?
RV – Die METS bleibt ein unverzichtbarer Termin für strategisch orientierte Marktteilnehmer. Sie ist ein zentraler Treffpunkt für Händler, Distributoren und Werften sowie eine wichtige Bühne für technologische Neuerungen. Trotz der hohen Teilnahmekosten ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis weiterhin sehr attraktiv und rechtfertigt die direkte Präsenz des Unternehmens. Der Austausch mit professionellen Gesprächspartnern innerhalb weniger Tage ist ein wesentlicher Faktor für das Vertriebs- und Produktmanagement.
PM – Wie stellt sich aus Ihrer Sicht die aktuelle Situation des nautischen Marktes dar?
RV – Die Lage ist anspruchsvoll. Die kleineren Segmente leiden, unter anderem aufgrund globaler wirtschaftlicher Entwicklungen und des Rückgangs der Mittelschicht. Die Nachfrage verlagert sich zunehmend in den oberen Marktbereich, sowohl bei Yachten als auch bei Zubehör, wo die Investitionsbereitschaft stabiler bleibt. Dieser Trend zeigt sich in den wichtigsten europäischen Ländern und spiegelt sich auch in aufstrebenden Regionen wie dem Nahen Osten wider, wobei dort viele Endkunden europäische Akteure sind und ähnliche Marktdynamiken mitbringen.
Ich gehe davon aus, dass das Jahr 2026 positivere Signale zeigen könnte, mit einer möglichen Stabilisierung nach 2025 – allerdings in einem weiterhin herausfordernden Umfeld.
PM – Wie verteilt sich Ihr Geschäft zwischen Neubau und Refit?
RV – Die durchschnittliche Lebensdauer eines Wasseraufbereiters liegt bei rund 15 Jahren. In Boomphasen entfällt der größte Anteil auf die Erstinstallation bei Neubauten. In schwierigeren Phasen, wie der aktuellen, gewinnt das Refit-Segment an Bedeutung, da Eigner in Wartung und Modernisierung bestehender Anlagen investieren. Dies ist ein Indikator für die Reife des Bootsbestands und dafür, wie sich die Nachfrage je nach wirtschaftlichem Kontext verschieben kann.
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