Galileo ist eine Baureihe von 82-Meter-Megayachten aus Stahl und Aluminium, die derzeit bei TISG im Bau sind

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TISG, zwei Wege für die Werften: Azimut Benetti setzt auf den Neustart, SRI Global auf die Wiederbelebung der Marken

Editorial

22/10/2026 - 11:09
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Bei The Italian Sea Group entscheidet nicht allein der Preis. Die beiden verbindlichen Angebote für das gesamte Unternehmen, von Azimut Benetti und von SRI Global, stehen für zwei unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft der Werften: die Integration der Standorte in eine bereits gefestigte Gruppe oder der Neuaufbau der traditionsreichen Marken. Klarer wird das Bild durch einen Artikel von Raoul de Forcade in Il Sole 24 Ore. Er zeichnet den Plan nach, mit dem die von Giovanna Vitelli geführte Gruppe das Geschäft von TISG übernehmen will, dem von Giovanni Costantino gegründeten Unternehmen, das sich derzeit in einem gerichtlichen Vergleichsverfahren (concordato preventivo) befindet. Der Artikel bestätigt, wer sich für das gesamte Unternehmen interessiert, nachdem PressMare am 20. Oktober über das auf rund 260 Millionen Euro bezifferte Angebot von SRI Global berichtet und Baglietto gestern sein Interesse an der Werft in La Spezia bestätigt hatte.

Laut der Wirtschaftszeitung soll das Projekt von Azimut Benetti in zwei Phasen ablaufen. Die erste sieht den sofortigen Neustart der Produktion vor, mit Vorrang für die bestehenden Aufträge, für die Eigner, deren Yachten im Bau sind, und für die Beschäftigten einschließlich der Zulieferbetriebe. Begünstigt würde dies durch eine bereits in der Region verankerte Lieferkette: Rund 85 % der Zulieferer von TISG arbeiten auch für Azimut Benetti, und 70 % des Umsatzes von Azimut, Benetti und der Refit-Sparte Lusben entstehen in der Toskana. Diese Überschneidung würde die Zeit verkürzen, die für die Neuordnung der Lieferungen und den Neustart der Aufträge nötig ist. Die zweite, längerfristige Phase zielt auf den Ausbau bei großen Custom-Yachten, einem Segment, in dem Benetti bereits mit einer etablierten Produktion vertreten ist, sowie auf die Stärkung des Refit-Geschäfts über Lusben. Die Standorte würden spezialisiert: in Marina di Carrara große Custom-Neubauten, in La Spezia das Refit unter Lusben, während in Terni die Schreinerei Celi für Innenausbau und Möbel in Betrieb bliebe. Finanziell verfügt Azimut Benetti über mehr als 500 Millionen Euro eigene Liquidität und einen Auftragsbestand von rund 3 Milliarden Euro zum 31. August – Mittel, mit denen sich Übernahme und Entwicklung ohne externe Finanzierung stemmen ließen.

Anders ist der Ansatz von SRI Global Limited, einer Holding, die Giulio Gallazzi und Bernardo Vacchi zugerechnet wird und deren Angebot zuerst von T24 gemeldet worden war. Die rund 260 Millionen sollen sowohl die Mittel für den Erwerb der Vermögenswerte als auch für den industriellen Neustart umfassen. Wie sich der Betrag auf beide Posten verteilt, ist jedoch nicht bekannt, und gerade diese Angabe wäre entscheidend, um zu beurteilen, wie viel Geld tatsächlich in die Wiederaufnahme der Produktion fließt. Das Projekt betrifft TISG als Ganzes, mit Marina di Carrara, La Spezia und der Schreinerei Celi in Terni, sowie die Übernahme der 485 Beschäftigten. Eine zentrale Rolle käme Vincenzo Poerio zu, einem Manager mit langer Erfahrung im Großyachtbau, früher CEO von Benetti und heute CEO von Tankoa Yachts.

Hier gehen die beiden Vorhaben tatsächlich auseinander. SRI Global müsste nicht nur in die Standorte und die Fertigstellung der Aufträge investieren, sondern auch in die Neupositionierung von Admiral, Perini Navi, Picchiotti und Tecnomar: ein Erbe an Geschichte und technischem Können, dessen Wiederbelebung voraussetzt, zuerst das Vertrauen der Eigner, aber auch das der Broker zurückzugewinnen, die die Yachten verkaufen müssen. Azimut Benetti brächte dagegen etablierte Marken, ein strukturiertes und auf Hochtouren laufendes Vertriebsnetz und eine funktionierende Industrieorganisation mit; TISG wäre für die Gruppe vor allem eine Erweiterung der Produktionskapazität. Das erste Modell könnte für den italienischen Schiffbau wichtige Markenidentitäten und ein differenziertes Angebot bewahren, das zweite verspricht sofortige Synergien bei Einkauf, Organisation und Auftragskontinuität. Der Unterschied zeigt sich auch bei den Zahlen: Nach Informationen von PressMare soll das Angebot von Azimut Benetti deutlich unter dem von SRI Global liegen. Die beiden Beträge sind jedoch nicht vergleichbar, weil die Summe von SRI das Budget für den Neustart von TISG und seinen Marken enthält, das der auf etablierten Marken aufbauende Plan von Azimut Benetti nicht im selben Umfang benötigen würde. Zieht man diesen Anteil ab, könnte der Abstand erheblich schrumpfen; solange die Aufteilung der 260 Millionen nicht bekannt ist, bleibt der Vergleich allerdings eine Schätzung.

Die Folgen der Entscheidung reichen über das Unternehmen hinaus. Die Zulieferer aus Stahl- und Metallbau, Anlagentechnik, Antrieb, Elektronik und Innenausbau brauchen Produktionskontinuität, Zahlungssicherheit und einen glaubwürdigen Auftragsbestand; offen ist noch, wie mit den bestehenden Forderungen umgegangen würde. Eigner mit einer Yacht im Bau suchen einen Ansprechpartner, der Ablieferung, Einhaltung der Spezifikationen und After-Sales-Service gewährleisten kann, während für Neukunden die Solidität der Werft bei Aufträgen im Wert von mehreren zehn Millionen unmittelbar ins Gewicht fällt. Für die Beschäftigten ist die in den Angeboten zugesagte Sicherung der Arbeitsplätze nur ein Ausgangspunkt: Ob die Beschäftigung hält, hängt davon ab, ob der Käufer mittel- und langfristig eine stabile Auslastung sichern kann.

Erste Reaktionen der Gewerkschaften machen die Unterschiede zwischen den beiden Projekten deutlicher. Nach Treffen zunächst mit Vincenzo Poerio für SRI Global und anschließend mit Marco Valle, CEO von Azimut Benetti, bewerteten die Vertreter der Metallgewerkschaften Fim-Cisl, Fiom-Cgil und Uilm den Plan von Azimut Benetti ausgesprochen positiv. Wie Blue Economy am 21. Oktober berichtete, hoben Bruno Casotti, Umberto Faita und Giacomo Saisi dessen Konkretheit hervor: sofortiger Beginn neuer Bauten unter der Marke Benetti und der Refit-Tätigkeit von Lusben, mit der Aussicht auf eine volle Auslastung der Werften für die kommenden fünf Jahre. Die Einschätzung deckt sich mit dem, was dieselben Gewerkschaften in den Tagen zuvor gefordert hatten: eine Zerschlagung von TISG zu vermeiden und Projekte zu bevorzugen, die neben den Arbeitsplätzen auch Aufträge, Investitionen und industrielle Kontinuität sichern. Aus den bislang vorliegenden öffentlichen Äußerungen geht keine formelle Präferenz für einen der beiden Bieter für die gesamte Gruppe hervor, doch die Zustimmung zum Projekt von Azimut Benetti ist ein Signal, das im Umfeld der anstehenden Entscheidung Gewicht hat.

Bis zum 19. Oktober gingen fünf verbindliche Angebote ein: zwei für das gesamte Unternehmen und drei für einzelne Vermögenswerte. Zu Letzteren gehört das Angebot von Sanlorenzo über Polo Nautico Carrara für die Werft in La Spezia, hinzu kommt das von Baglietto, das der Hersteller gestern gegenüber BOATPro von Boat International bestätigte. Nach früheren Angaben von T24 soll auch Fincantieri an dem Standort in La Spezia interessiert sein. Die Auswahl liegt beim Verwaltungsrat von TISG, der von den Beratern Meti Corporate Finance und KPMG Advisory unterstützt wird und unter Aufsicht der gerichtlich bestellten Kommissare handelt. Abzuwägen sind der Preis und die tatsächlich für den Neustart vorgesehenen Mittel, die Tragfähigkeit der Pläne, die Garantien für die Eigner und die Beschäftigungsperspektiven. Mehr als der Nominalbetrag werden die Glaubwürdigkeit des Industrieprojekts und die Belastbarkeit der begleitenden Garantien den Ausschlag geben.

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